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Darmmikrobiom: Gesundheitsschlüssel

Ich wusste, dass die Bakterien in meinem Darm (Darmmikrobiom) irgendwie wichtig sind, aber nicht, dass die Bakterien in und auf mir ein „Gemeinschaftsorgan“ bilden, das so wichtig ist, wie mein Herz und Gehirn zusammen.

Ich wusste auch, dass man die Eingeweide wegen ihrer immensen Bedeutung in „Darmgehirn“ umbenannt hat, aber die genaue Bedeutung für die Psyche kannte ich nicht. Ich fand es immer interessant, dass Heilpraktiker – fast egal welche Diagnose vorliegt – mit einer Darmsymbioselenkung anfangen. Aber dass ein gestörtes Darmmikrobiom fast immer am Anfang einer Reihe chronischer Erkrankungen steht -auch psychischer Erkrankungen – das habe ich nicht geahnt. In diesem Artikel trage ich meine Recherchen für dich zusammen. Du findest heraus, warum wir zum Menschen infiziert sind, wie 100.000 Jahre Symbiose ganz frisch entdeckt wurde und was diese Symbiose in eine Dysbiose getrieben hat und warum Menschen aus Entwicklungsländern möglicherweise bald ihren Stuhl an uns für gutes Geld verkaufen können.

Die Forschung hatte schon früh begonnen und ist dann, wie so vieles, in Vergessenheit geraten: Ilya Metchnikoff wies nach, dass die gefürchtete Cholera Infektion nicht jeden trifft: es hängt vom Darmmikrobiom ab, ob die Erkrankung ausbricht, und das Mikrobiom ist entscheidend für das Immunsystem. Er gab alles für die Erkenntnisse und infizierte sich sogar selbst, um die These zu beweisen. Dafür gewann er 1808 den Nobelpreis.

Als die Wissenschaft die Technik hatte, die DNA als Informationsträger und die Gene identifizieren konnten, machten sich um die tausend Wissenschaftler in etwas vierzig Ländern euphorisch an die Arbeit. Das Humangenomprojekt war ins Leben gerufen. 1995 war auch Deutschland mit viel, viel Geld dabei. „Bis heute brachten diese Analysen keinen Fortschritt für die menschliche oder sonstige Gesundheit. Dennoch hatte das Projekt einige nützliche Nebeneffekte, deren eine zur mikrobiellen Revolution führte“1 (S. 17). Wenn das Ergebnis des kostspieligen Projekts zeigte, dass sich die Anzahl der menschlichen Gene kaum höher ist, als die einer Maus, was macht dann die Krönung der Schöpfung aus? Die Antwort fand sich im Unerwarteten und lautete:

Wir verdanken unserer Komplexität den Genen der in uns lebenden Bakterien (…) Sie sind es, die Organentwicklungen bewirken und Verdauung und Verhalten steuern, die das Immunsystem bewegen und vieles mehr. Sie sind an allen wichtigen Körperfunktionen beteiligt: an Stoffwechsel und an Muskelaktivitäten, Hormonhaushalt, Gehirnfunktion und Nervensystem“2. 3 Mio Gene weist unser Mikrobiom auf. Nur 10 % unserer Zellen sind menschlich. Du bist mehr Bakterium als Mensch. Dein Mikrobiom ist so vielfältig, wie der Amazonas: tausende Arten mit tausenden Funktionen. Sie sind dein zweites Gehirn. Nun herrscht bei den meisten in der Zivilisation Brachland im Darm. Wir lebten in Symbiose – vor den Errungenschaften der Medizin und Chemie – wir gaben den Darmbakterien Ballaststoffe, sie verteidigten uns und gaben uns lebenswichtige Vitamine. „Nun hungern wir sie aus“, sagt Prof. Jenal in seinem Vortrag3.

Und sehr schnell ist die Mikrobiom-Forschung das heiße Thema der Medizin geworden, von einigen wird sie als „Die Zukunft der Medizin“ gennant4.

 

Prof. Dr. Urs Jenal von der Uni Basel fand Zusammenhänge zwischen Dysbiose des Mikrobioms und einer Reihe von neuen, epidemischen Krankheiten: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), Diabetes, Athritis, Neurodermitis, MS, Asthma, Fettleibigkeit, Metabolisches Syndrom UND bestimmte Tumorarten.

Prof.Dr. Marco Prinz von der Uni Freiburg behauptet:“Darmbakterien sorgen für ein gesundes Gehirn“ Die Besiedlung des Darms mit Bakterien beeinflusst lebenslang die Immunabwehr des Gehirns und damit möglicherweise auch den Verlauf von Hirnerkrankungen wie Alzheimer und Multipler Sklerose. Dies hat ein Team um Neuropathologen des Universitätsklinikums Freiburg erstmals an Mäusen festgestellt1. Studien für chronisch entzündliche Darmerkrankungen laufen bereits.

Für Dr. Zschocke steht aber schon fest: „Der Auslöser für Unverträglichkeiten, Reizdarm und chronisch entzündliche Darmerkrankungen ist immer zunächst eine Störung und Schwächung des Darmmikrobioms. Sei es, dass die Bakterien mangels Ballaststoffen in der Nahrung unterernährt sind, sei es, dass Gifte in den Körper gelangten, wie Pestizide, künstliche Aroma-, Farb- oder Konservierungsstoffe, Rückstände aus Plastikverpackungen, Schwermetalle, antibiotische Partikel oder Medikamente1. Die undichte Schleimhaut (Leaky gut, Anm. der Autorin) macht jede Mahlzeit zu einem mit unterschiedlich großen Beschwerden verbundenes Leid: Speisemoleküle und Bakterien gelangen ins Blut, was Immunzellen und Antikörper auf den Plan rufen und in Entzündungen mündet“2. Die Leber macht Überstunden und chronische Müdigkeit kommt hinzu. „Reizdarm“ wird es dann so lange genannt, wie keine organischen Schäden zu finden sind. „Reizdarm und chronisch entzündliche Darmerkrankungen haben einen gemeinsamen Grund: Sie sind das fortgeschrittene Stadium eines geschwächten Mikrobioms, einer Dysbiose. Das heißt auch, dass sie sich in Zukunft eher kurieren lassen werden“3.

In dem Dokumentarfilm von Arte: „Depression – neue Hoffnung?1 wird die Darm-Hirn-Achse und ihre Bedeutung für die häufigste psyhische Erkrankung -Depression -behandelt. Forscher weltweit vermuten, dass unser Immunsystem (das seinen Sitz im Darm hat) der Schlüssel sei, um die Krankheit zu verstehen. Sie vermuten, dass Stress und falsche Ernährung Entzündungen auslösen, die wiederum zu Depression führen. Unser Vagus Nerv ist die Autobahn zwischen Darm und Gehirn. Nichts, was im Darm passiert, lässt das Gehirn aus. Stress und ein durch Fehlernährung geschwächtes Mikrobiom führen zu Entzündungen. Entzündungen führen zu Depression.

Nun wollen natürlich die Forscher die hoffnungslosen Fälle, die nicht auf Antidepressiva ansprechen, mit entzündungshemmenden Mitteln behandeln. Das ist eine gute Nachricht für die Menschen, die jahrelang mit wirkungslosen -dafür nebenwirkungsvollen- Antidepressiva erfolglos behandelt wurden, aber es stellt wieder nur eine Symptombehandlung dar und wiederholt die Devise der letzten Jahrzehnte der konventionellen Medizin „lieber was einnehmen, als was unternehmen“. Diese Tendenz ist auch in den neuen Medikamenten für die Darmflora zu erkennen: Die Pharmas stehen mit Prä-/Probiotika und Propionsäure parat. Dabei wissen wir noch gar nicht, WIE welche Bakterien im Verbund arbeiten. Es gibt keinen „passend für alle“ Bakteriencocktail, der unsere Dysbiose per se heilt. Und was sollen die Probiotika in einem Darm ausrichten, wo bei ausbleibender Ernährungsumstellung keine Lebensgrundlage möglich ist?

Unsere ursprüngliche Mikrobiotika verschwindet! Dabei geht die Gefahr gerade von den Errungenschaften der Medizin der letzten 50 Jahre aus: Kaiserschnitt, Desinfektion, Antibiotikum, Flaschenernährung, Umweltgifte und Fast Food/abgepacktes Essen. Wir hungern unser Super-Organ mit der Diät der Zivilisation aus. Studien der Ausscheidungen von Kindern aus Venzuela und Malawi zeigen: Sie sind besser dran, als jene in der sogenannten Zivilisation. Vielleicht müssen wir sie, denen wir uns immer überlegen fühlten irgendwann um Exkremente betteln zwecks Stuhltranplantation? (Erste Versuche liefen bereits in Dänemark; mit Erfolg).

1928 wurde das Penicillin entdeckt, das so viele Krankheiten und Plagen ausgerottet hat. Nun ist bereits „Pharmagedon“ erreicht worden! Antibiotika wird in 2/3 der Fälle verschrieben, ohne das es notwendig oder gar wirksam wäre, z.B. weil Viren im Spiel sind. Die Mast-Tiere kriegen vorsorglich Antibiotika, weil sie ansonsten unter den lebens-und artfeindlichen Bedingungen verrecken würden und wir essen diese tödliche „Vorsorge“ mit. Antibiotik bedeutet „gegen das Leben“. Und das Nervengift in konventioneller landwirtschaft macht keinen Halt vor unserem Nervensystem. Und das Ballaststoff-arme Essen aus dem Labor – ewig haltbar und mit Zusätzen, die unsere Ur-Omas nicht als Lebensmittel erkannt hätten – wen wollen wir damit ernähren?

Desinfektionsmittel, Antibiotika, Drogen und Medikamente, Säuglingsnahrung, Kaiserschnitt, Fertig-Essen ohne Ballaststoffe sind schlecht für unser Mikrobiom. Hygiene-arme Drittländer haben kaum Fälle von MS, Morbus Crohn, Allergien, Lupus. Sogenannte Schwellenländer aber tun es UNS bereits zivilisatorisch nach und die Kurve der Autoimmunerkrankungen schießt sichtbar in die Höhe.

Es gibt kein Rezept, das für uns alle passt. Man kann nur so viel zur grundlegenden Ernährung des 1Darmmikrobioms sagen:

„Lasse den Löwenanteil pflanzlich sein. Frisch und ohne zusätze!“ Ich ziehe seit meinen Mirkobiom-Recherchen meine Sprossen selber, weiche Nüsse ein, esse mehr Fermentiertes und Algen. Aber das sind nur meine Ansätze. Es gibt momentan keine Lösung, die für alle passt. Spürsinn und Ausprobieren sind besonders hier gefragt. Das Essen bestimmt deine Flora, deinen Darmgarten. Schon binnen weniger Tage einer Ernährungs-Veränderung, ändert sich die Bakterienzusammenstellung. Du bist, was deine Darmflora isst!

Der Weg zurück in ein gesundes Leben bedeutet konkret: Mehr Schmutz, weniger Hygiene. Sowohl für den Körper, als auch für Wohnraum. Egal, welche Diät du verfolgst, ob AIP nach Wahls, Vegan, Ketogen: Mehr Pflanzen essen (möglichst ohne Gift, d.h. Bio oder selbst angebaut). Und am besten: Züchte die Pflanzen selber, sodass du ganz viel Erde unter die Fingernägel bekommst – dazu brauchst du im Idealfall ein Hautier, das dich regelmäßig übers Gesicht schleckt. Und das Faszinierende: Was ich brauche, um einen guten Darm-Garten zu pflegen, ist genau das, was ich brauche, um einen echten Garten gesund und blühend zu halten: Keine Chemie, viel Schmutz (Effektive Mikroorganismen), Pflanzen und Tiere. Und die Allegorie wird vom folgenden Zitat unterstützt: „Wir können nie gesünder sein, als der Boden, in dem unsere Nahrung wächst“.

LIVE DIRTY, EAT CLEAN2

1 Dr. Anne Katharina Zschocke „Darmbakterien als Schlüssel zur Gesundheit. Neueste Erkenntnisse aus der Mikrobiomforschung“ Knaur 2014, S. 17

2 Dr. Anne Katharina Zschocke, 2014:20

3 Vortrag 2016, „Infiziert. Viren, Bakterien, Parasiten: Der Mensch und sein Mikrobiom“ | Prof. Dr. Urs Jenal | Uni Basel Videoaufzeichnung https://www.biozentrum.unibas.ch/research/groups-platforms/overview/unit/jenal/

4 Vortrag von Dr. Robynne Chutkan https://gutbliss.com/media/ Autorin von „The mocrobiome solution“ Avery, 2015

5 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26030851 

6 Dr. Anne Katharina Zschocke, 2014:124

7 Verschwundene Darmschleimhaut= Tragödie der Weizenallergie: Ein Eiweßmolekül, das die Kittleisten der Darmschleimhaut öffnet, ist „Zonulin“. Zonulin ist im Blut erhöht bei MS, Morbus Crohn, Autoimmunerkrankungen, Nervenerkrankungen und Schizophrenie. Forscher fanden stets Gliadin im Darm (Weizenkleber) als möglichen Verursacher. Die neuen Sorten Weizen haben viel mehr Gliadin, als Urweizen, wie Einkorn/ Emmer. Die Ursache für „Leaky Gut“ ist aber nicht Weizen, sondern das gestörte Mikrobiom. Bei intakter Schleimhaut stellt Weizen kein Problem dar.

8 Dr. Anne Katharina Zschocke, 2014:148

9 Regie:Dorothee Kaden, Carsten Schollmann, Deutschland 2016 http://www.arte.tv/de/videos/063624-000-A/depression-neue-hoffnung

10 Dr. Anne Katharina Zschocke, 2014:129

11 Vortrag von Dr. Robynne Chutkan https://gutbliss.com/media/ Autorin von „The mocrobiome solution“ Avery, 2015

Klaus Oberbeil „Die tägliche Dosis Gift: Warum fast alles, was wir berühren, essen oder einatmen, chemisch belastet ist. Und wie wir uns davor schützen können“ Heyne, 2011

Klaus-Dietrich Runow „Wenn Gifte auf die Nerven gehen: Wie wir Gehirn und Nerven durch Entgiftung schützen können“ Südwest, 2008 (www.umweltmedizin.org)

smarticular.net (Hg. / Ideenportal) „Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie: Einfach mal selber machen! Mehr als 300 Anwendungen und 33 Rezepte, die Geld sparen und die Umwelt schonen“ Smarticular Verlag, 2016

Dr. Anne Katharina Zschocke „Darmbakterien als Schlüssel zur Gesundheit. Neueste Erkenntnisse aus der Mikrobiomforschung“ Knaur 2014

-die Toxine stecken in Zahnpasta, Waschmittel, Seife, Deo, Cremes und Make-Up. (Klaus Oberbeil: Die tägliche Dosis Gift, Heyne:2011). Ich stelle u.a. mein eigenes Bio-Waschpulver, Deo, Spülmittel und Zahnpasta her. Hier sind zwei erprobte Rezepte (von smarticular.net):

Waschpulver: 100 g Spülmaschinensalz, 100 g geriebene Kernseife, 150 g Soda, 150 g Natron

(für weiße Wäsche zusätzlich 150 g Zitronensäure dazu. Zitronensäure bleicht: Daher nur für Weißwäsche nehmen). Mische alle Zutaten gründlich und bewahre die Mischung im luftdichten Behälter. Pro Waschgang 1-2 EL. Als Weichspüler eignet sich Essig.

Sprüh-Deo: In eine alte Sprühflasche 90 ml abgekochtes Wasser füllen. Wenn das Wasser etwas abgekühlt ist, 1 TL Natronpulver, 5 Tropfen ätherisches Zitrusöl, 5 Tropfen Teebaumöl hineingeben und gut schütteln. Wenn du viel schwitzt, kannst du die Menge an Natron erhöhen.

Warum Leinsamen Balsam für deinen Darm sind und wie du aus ihnen leckere Cräcker herstellst, das zeige ich dir hier

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