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Chronische Erkrankungen aus funktionalmedizinischer Sicht

Was ist der gemeinsame Nenner?  und welche Chancen offenbaren sich dadurch?

Degenerative neurologische Erkrankungen (wie MS), entzündliche Darmkrankheiten (wie Morbus Crohn) und rheumatische Erkrankungen, um nur einige Autoimmunerkrankungen zu nennen, haben alle einen gemeinsamen Nenner: Funktionsstörungen in den Mitochondrien, übermäßige Entzündungen und erhöhte Cortisolwerte. „Praktisch leiden wir alle an derselben Krankheit“, so Dr. Wahls1 (2014:66). Weiter schreibt sie:

Obwohl es von außen so aussieht, als sei MS eine bestimmte Krankheit, unterscheidet sie sich auf zellulärer Ebene nicht so sehr von anderen Autoimmunerkrankungen“.

Wenn du also im Folgenden  „MS“ liest, dann steht die Diagnose stellvertretend für jede Autoimmunerkrankung. Ich habe die wichtigsten Sachverhalte gezeichnet und als Info-Grafiken aus rund 1000 Buchseiten zusammengefasst, sodass nun 6 bunte Bilder und 10 Seiten Text daraus geworden sind.Dabei wird es viel um Lebensstil und Ernährung gehen. Du magst es nicht hören wollen, denn wenn man dir auch noch das letzte bisschen Genuss weggnehmen will, dann schreit alles in dir “Nein”! Aber niemand will dir hier etwas wegnehmen. Es geht darum, Wissen dazu zu gewinnen. Wissen, dass du nicht am Tag der Diagnose bekamst.

Ich fühlte damals, dass die Aussage der neurologischen Abteilung, wo meine Diagnose gestellt wurde, „dass Ernährung und Lebensstil nichts an der Erkrankung ändern werden, machen Sie einfach so weiter, wie bisher“, für mich nicht stimmig war. Nun gibt es seit einigen Jahren mehr und mehr Studien, die das ziemlich sichere Bild abgeben, dass MS und Autoimmunerkrankungen doch vom Lebensstil beeinflusst werden: „MS kann nicht nur gestoppt werden, sondern verloren gegangene Fähigkeiten können zurück erlangt werden“, so Prof. Jelinek)2

Und Dr. Wahls fügt hinzu:

Das Risiko der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen, Adipositas und psychischen Problemen wird bis zu 95% durch die Umwelt bestimmt“ (Wahls 2014:40)- also durch alles, was du isst, wie du dich bewegst, womit du dich wäscht und pflegst, was du denkst und was du einatmest!

Es gibt viele Studien, und ich habe versucht alles, was mir auf Dänisch, Deutsch und Englisch begegnete, zu lesen. Meine Kriterien für das Auswählen der Forscher waren schließlich:

  • Sie müssen seriöse, valide Studienergebnisse liefern, die von keinerlei Konzern-Interessen gefärbt sind.
  • Ich probierte ihre Vorschläge selber aus und komme zu einem subjektiv-positivem Ergebnis
  • Die Forscher müssen selber von MS betroffen sein und ihre eigenen Ratschläge mit Erfolg (Besserung / Stillstand der Symptome) umsetzen

Auch ich verdiene hiermit kein Geld. Da ich, wie du weißt, keine Ärztin bin, darf ich dir keine Ratschläge erteilen, nur Erfahrenes und Gelesenes, und ich bin rechtlich dazu verpflichtet, dir mitzuteilen, dass du dich an deine Ärzte wenden musst, bevor du Änderungen an deinem Lebensstil vornimmst. Die Vorgehensweisen sind nicht als Ersatz für professionelle Behandlung bei ernsthaften Beschwerden zu verstehen.3

Du hast schon die Namen Prof. Dr. G. Jelinek und Dr. Terry Wahls in diesem Text gelesen. Diese beiden stimmen derzeit mit meinen Kriterien überein (Sie haben eine große Schnittmenge der Schutz- und Schadfaktoren zusammengetragen). Am Ende des Textes findest du die Fußnoten: Hier sind nicht nur zitierte Werke aufgelistet, sondern auch Hinweise zu Studien. Ich werde diesen Text mit Studienergebnissen anderer Forscher würzen, solange keine Konzern-Interessen ersichtlich sind (und mit Lebensstil-Änderungen ist kein Geld zu verdienen, also ist das ziemlich einfach). Dr. Wahls hat sich selbst quasi aus dem Rollstuhl „gegessen“ und Prof. Jelinek ist seit 14 Jahren schubfrei.

Sie bieten ihre Erkenntnisse größtenteils kostenfrei im Internet an. Prof. Dr. Jelineks Studie, 2013 veröffentlicht, begleitete Patienten 5 Jahre lang und zeigte signifikante Ergebnisse: 19,5 % Verbesserung der Lebensqualität im Durchschnitt. Und das bei einer Erkrankung, die dafür bekannt ist, dass es nur abwärts gehen kann. Jelinek stimmt mit Wahls in den überwiegenden Punkten überein, bis auf die Fleisch-Aufnahme (wg. Arachidonsäure/ Omega-3-zu-6-Verhältnis) überein. Wahls hat dazu ihre eigenen Berechnungen, die sich mit der Keto-Forschung deckt die mir an dieser Stelle aber zu weit führen: Beide heilen, beide haben Recht! Wenn du Veganer/-In bist, dann entscheide dich für Jelinek. Wenn du wenig Verbesserungen deiner Symptomatik erlebst, dann wechsle zum Wahls-Konzept, und umgekehrt!

Jelinek verordnet:

  • Pflanzenbasierte Kost mit sehr wenig Kohlenhydraten und Zucker und absolut keine Milchprodukte!
  • Erhöhte Aufnahme von Antioxidanzien
  • Fisch und Meeresfrüchte (für Omega-3), zusätzlich Omega-3 Öl
  • Vitamin-D Ergänzung, zusätzlich zu 15 Min in der Sonne 5 x wöchentlich
  • Bewegung/ Sport 5x 30 Minuten wöchentlich
  • Meditation / Stressreduktion
  • Reduktion langkettiger gesättigter Fettsäuren (Arachidonsäure: Fleisch und Kokosnuss. Hierin unterscheidet er sich von Wahls)

(Lass dich nicht von den Fremdwörtern abschrecken, wir kommen gleich dazu…)

Der Taschenratgeber „Life-SMS: Raus aus der Opferrolle – selber handeln“ von der Deutschen Stiftung für Gesundheits-information und Prävention fasst die gleichen Schutzfaktoren, wie Jelinek zusammen. Ferner las ich diesen interessanten Satz:

Bemerkenswert ist, dass die Entstehung und Verbreitung von MS eng mit der industriellen Entwicklung (…) der letzten 200 Jahren zusammenhängen. Die Häufigkeit der MS hat gerade in den letzten 30-40 Jahren signifikant zugenommen“ 4. Der „Sündenfall“, der im Zuge der Industrialisierung über uns gekommen ist, besteht im toxischen Cocktail: Wenig Bewegung, drinne hocken, industriell gefertigtes Essen und Stress.

Hierzu ein Zitat von Dr. P. Hoffmann:

nicht nur der Aufenthalt auf der nördlichen Halbkugel, sondern vor allem die Lebensweise der westlichen Zivilisation (Emotionen, Stress, Nahrung, Überarbeitung, synthetische Medikamente, Antikonzeption, Chemisierung, „turbohektisches Leben“ u.ä.)“ sind laut der traditonellen chinesischen Medizin Schuld.Deshalb kennen die sog. primitiveren Völker diese Krankheit nicht. Dieser Behauptung spielt auch die Tatsache zu, dass die Afrika-Karibik- und Indien-Immigranten dann an dieser Krankheit in den USA gleichermaßen wie die Amerikaner leiden“ 5.

Zur Behandlung einer Autoimmunerkrankung nach den Prinzipien der funktionellen Medizin, gehört es, das körpereigene Milieu zu optimieren, um das überaktive Immunsystem zu beruhigen (das dich fälschlicherweise angreift, egal um welche körpereigenen Strukturen es sich handelt). Du wirst also lernen, deinem Körper das zuzuführen, was er braucht und ihm zu entziehen, was ihm schadet. Du solltest wissen, dass es lange dauern kann, bis du deutliche Verbesserungen deiner Hauptsymptome wahrnimmst (die Nebenerkrankungen und das Allgemeinwohl können aber schnell Verbesserungen zeigen). Du musst wissen, dass die Lebensstil-Änderungen mit Unwohlsein verbunden sein können, weil Krankheiten all das lieben, was uns schadet und laut aufschreien, wenn wir uns dem entziehen. Tägliche Aufzeichnungen und monatliche Fotos helfen dir, die subtileren Veränderungen wahrzunehmen und nicht alles hinzuschmeißen.

Meine erste Info-Grafik für dich, zeigt die Organe, die du um alles in der Welt pflegen solltest:

Unsere Verbündete

Warum ist da eine Mitochondrie im Vergrößerungsglas zu sehen? Weil das A und O deiner Gesundheit die Ernährung der Zelle ist. Die Krankheit, die du hast, hat ihren Ursprung in einer Fehlsteuerung der Zelle. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Wenn sie nicht da wären, wäre deine Zelle wie ein Auto ohne Benzin. Eine Autoimmunerkrankung geht fast immer einher mit einem Nahrungsmangel der Mitochondrien. Die Liste der Erkrankungen, die mit einer Störung der Mitochondrien zusammenhängen, wird täglich länger und umfasst derzeit Diabetes, Herzinsuffizienz, Hepatitis C, Fibromyalgie, Migräne, Schizophrenie, Epilepsie, affektive Störungen, Schlaganfälle und Gedächtnisprobleme (Wahls 2014:51).

Als nächstes kommen wir zum Gehirn, den Nervenzellen und ihrer Umkleidung (Myelin) und den Neurotransmittern. Vielleicht denkst du: „Ich habe keine Erkrankung meiner Nerven, sondern meines Darms/ Gelenke/ etc.“

Wenn du aber weißt, dass Gehirnzellen auch „nur“ Zellen sind, dann sind die Bausteine die gleichen, die deine „betroffenen“ Zellen brauchen. Außerdem ist dein Gehirn und dein Rückenmark deine Schaltzentrale für den ganzen Körper. Wenn dein Immunsystem deine körpereigenen Strukturen angreift, dann wurden die gefräßigen Immunzellen durch die Blut-Hirn-Schranke fälschlicherweise eingeschleust. Also muss auch hier „Gehirn-Pflege“ angewandt werden!

Die Leber gehört auch zur „Organ-Kunde“, denn sie arbeitet hart, wenn der Körper erkrankt ist (sie leistet Entgiftung). Und dass dein Darm Sitz deines Immunsystems sei, hast du vermutlich auch schon gehört. Ein kranker Darm ist niemals nur ein Darm-Problem, sondern betrifft den ganzen Körper; deine Gesundheit.

Wie du deine Verbündeten pflegst:

Was sind die Gemeinsamkeiten aller Autoimmunerkrankungen?

  • Die Mitochondrien sind schwach und es gibt zu viele freie Radikale, die zellschädigend wirken
  • Das hyperaktive Immunsystem sorgt für starke Entzündungen im ganzen Körper und greift körpereigene Strukturen an
  • Umweltgifte wie Blei, Quecksilber und Pestizide sind häufig nachzuweisen – diese können die Symptome verschlechtern
  • Vitamin D Mangel und ein hoher Stresshormonpegel (v.a. Cortisol) verstärken die Entzündungen
  • Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren und Antioxidanzien ist häufig zu beobachten (Wahls 2014:85)

Dr. Wahls zeigt drei Stufen der Ernährungsanpassung an. Das Dritte und Anspruchsvollste ist grafisch unten in der revolutionären Ernährungspyramide vorgestellt (ketogene Paläo-Diät mit besonderem Augenmerk auf Zell-Gesundheit), denn dieses ist für Ungeduldige, die schnelle Ergebnisse wollen.

Das Konzept ist zusätzlich für Krebspatienten, „unheilbare“ Epileptiker, Parkinson-, Diabetes- und Migränepatienten 6 und diejenigen geeignet, die bisher keinen Erfolg mit Ernährungsumstellungen hatten, geeignet (Wahls 2014:134). Es sieht auf den ersten Blick wie bekannte Diäten aus: „Kranke brauchen jedoch mehr Struktur, als die üblichen ´Steinzeitprogramme´ bieten, denn es geht hier nicht einfach nur darum, die Nahrungsmittel wegzulassen, die Ihnen schaden können. Sie müssen auch wissen, wie Sie die Zellen und Mitochondrien bestmöglich ernähren“ (Wahls 2014:123).

Erste Schritte: Dein Essen

Bevor du überhaupt überlegst, ob und wie du eine solche Ernährung umsetzen kannst, lasse sobald du kannst die schädlichsten Allergene und „Brandbeschleuniger“ weg: Gluten (Getreide und Mehl) und Milchprodukte. Mache einen kalten Entzug: „Es könnte das Wichtigste sein, das  Sie je für sich tun“, schreibt Wahls (2014:128). Eier sind hoch allergen. Lasse sie dann weg, wenn du den kalten Entzug von Milch, Käse, Brot und Nudeln weggesteckt hast. Nach 4 Wochen Abstinenz kannst du eine der “Allergene” 2 Tage lang ausprobieren (nicht alle zusammen, sonst kannst du die Wirkung nicht zuordnen). Iss 2-3 Eier an zwei aufeinanderfolgende Tagen und beobachte deine Reaktion. Wenn alles gut ist, dann kannst du Eier in deinen Speiseplan wieder mit aufnehmen. Das Gleiche Verfahren wendest du vielleicht für Bio(!) Joghurt an (macht am wenigsten Unfug von allen Milchprodukten).

Gluten sollte für den Rest deines Lebens nicht mehr auf dem Teller liegen!7

Warum sollst du dich um Allergene kümmern? „Menschen mit einer Autoimmunerkrankung haben viel eher einen durchlässigen Darm, und wenn das der Fall ist, dann sind Gluten und Milchprodukte ganz besonders schädlich“ (Wahls 2014:128). Das Wort „Entzug“ kommt nicht von ungefähr: Gluten- und Milchprodukte entfalten im Körper eine opium-artige Wirkung, also als hättest du Drogen genommen, die dich wohlig geborgen wähnen. Es wird dir also, subjektiv gesehen, zunächst einige Tage/Wochen „schlechter“ gehen ohne sie. Sie sind Futter für die Seele und für deine schreienden, bösen Darmbakterien – nicht aber für deine geschundenen Zellen!(Wessen Süchte und Gelüste sind es eigentlich, die wir als die unsere wahrnehmen? Als ich erfuhr, dass die Schoko-Hunger vor einer Migräne-Attacke die Migräne selber ist, die Zucker will, um sich so richtig entfalten zu können, fühlte ich mich von der Migräne so richtig „verarscht“ und verzichtete fortan darauf, auch wenn alles schrie:“Du brauchst Schokolade, sonst wird die Migräne schlimmer“). Denke daran, dass Alkohol oft Gluten enthält, und dass “Paniermehl” und “Weizensirup” keine Freunde sind. Informiere dich auch hier, bevor du aus Unwissen Übeltäter schluckst, und studiere das Kleingedruckte.

Was hat das Leaky-Gut-Syndrom (durchlöcherter Darm) mit dem Ganzen zu tun?

Eines der gefährlichsten Probleme, das der westlichen Standardernährung geschuldet ist, ist das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom“ (undichter Darm)“. Gedeihen im Darm die falschen Bakterien, kommt es zur Bildung von Toxinen, die die Darmwand durchlöchern“ (Wahls 2014;120).

Der Darminhalt sickert so in dein Blut! Auch nicht-entdeckte Allergien verursachen und verschlimmern dieses Phänomen. Die falschen Bakterien lieben Zucker und Kohlenhydrate. Und das Problem hört nicht beim Darm auf. Auch die Gefäßwände und das Gehirn können auf diese Weise durchlöchert werden: „Bei MS lässt das Gehirn dann überaktive Immunzellen häufiger passieren und damit kommt es zu unangemessenen Entzündungsreaktionen, bzw. einer Verschlimmerung der bestehenden Symptomatik“.

Was hat Stress mit Süßigkeiten zu tun?

Stresshormone lassen u.a. den Blutdruck und die Herzfrequenz ansteigen. Der Blutzucker steigt dadurch und somit der Insulinspiegel. Ein hoher Insulinspiegel fördert Entzündungen im Blut und Gehirn UND verlangt blöderweise nach NOCH MEHR Süßkram und Kohlenhydraten. „Wenn du dich kohlenhydratreich ernährst und gleichzeitig mit Entzündungen zu kämpfen hast, ist es so, als würdest du Benzin ins Feuer gießen“ (Wahls: 2014:359).

Toxine auf die du mit Vorteil verzichten kannst

  • Künstliche Süßstoffe (Aspartam, Cyclamat und zig weitere Namen) und Glutamat (E206, „Würze“, Hefeextrakt und 100 weitere wohlklingende Namen): Sie sind sog. Exzitotoxine und führen zu Stress im Gehirn und einem ungünstigen Darm-Milieu)
  • Transfette, gehärtete und teilgehärtete Öle, wie in Margarine („Je mehr Transfette im Blut waren, desto kleiner waren das Gehirn und desto geringer die Denkfähigkeit (…) Essen Sie täglich oder auch nur dreimal die Woche Fastfood, und Sie sind auf dem besten Weg in die Frühdemenz“ ( Wahls 2014:54)
  • Pflanzenöle (Mais, Soja und Raps): Das Verhältnis Omega3 zu Omega 6 sollte nicht größer sein, als 1:5 (deine bevorzugten Öle sind also kaltgepresst, möglichst aus der sog. “Schnecke”, und wurde aus Lein, Hanf oder Fisch gewonnen)

“Was kann ich denn überhaupt noch essen”

Jeden Tag sollte folgendes auf den Tisch kommen:

  • 1 Teller dunkelgrünes Blattgemüse, besonders Petersilie und Grünkohl (Vitamine A, C, K und B, Mineralien= Schutz und Nahrung der Zellen)
  • 1 Teller schwefelreiches Gemüse (Entgiftung und Bildung von Neurotransmittern, eine schiere Geheimwaffe bei degenerativen Erkrankungen, wie unsere, und zugleich Nahrung für die Mitochondrien), besonders Kohl, Zwiebeln, Pilze und Spargel
  • 1 Teller buntes (!) Gemüse und Obst (das sind deine Antioxidanzien, Flavenoide, Polyphenole und Salvestrole, die entgiftend und zellschützend wirken. Die Farbvielfalt ist ein Hinweis auf die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe, daher Durchgefärbtes bevorzugen, nicht Weißfleischiges.)

Dazu einmal die Woche Algen/ Seegras (beste Quelle für Vitalstoffe, wie Eisen, Jod, Calcium und Selen), 2mal die Woche fettreichen Meeresfisch (Omega-3), sowie 1-2mal Innereien (beste Q10 Quelle) und die restlichen Tage der Woche Fleisch aus Weidehaltung/ Wild/ Demeter-Bio. Dazu fermentierte Nahrungsmittel, wie Sauerkraut, eingeweichte Samen und Nüsse. Und wenn du das praktizierst, dann wirst du dir die Frage nicht mehr stellen “was kann ich den noch essen”.

Veganer lesen bitte Dr. Wahls Buch für essentielle Hinweise zu dieser Adaption!

Du willst weitergehen? Bitte schön: Ketogene Diät!

Ketogene Diät ist sehr kohlenhydrat-arm. Es sind max. 40 g pro Tag erlaubt. Zum Vergleich: Eine Brötchenhälfte mit Marmelade hat bereits 40 g Kohlenhydrate. Es gibt eine Menge zu lernen: Balsamico Essig ist vom Zuckergehalt her praktisch ein Dessert und Kartoffeln so kohlenhydrathaltig, wie ein Schokoriegel. Ich schaue auf der Inhaltsstoff-Liste und bleibe unter 4 g Kohlenhydrate pro 100 gramm Ware. Ich kaufe nichts, was zugesetzten Zucker, Agavendicksaft, Honig, Glukose, Inverzuckersirup, Dextrose oder irgendwelchen von den weiteren 100 Namen von Zucker hat9

– ist sehr Öl-und Eiweißreich. Du musst also alles, was du über Fett gelernt hast, über Bord schmeißen. Die alte Ernährungspyramide ist ein gesponserter Irrtum der Wissenschaft, die quasi den Polizisten (Cholesterin), der am Tatort zugegen war, fälschlicherweise für den Täter hielt. Seit die Menschen in den 70ér-Jahren anfingen, nach der Ernährungspyramide zu essen, sind Zivilisationserkrankungen explodiert. Die Frage, die ich zu Beginn oft bekam, war: “Wie willst du sicherstellen, dass dein Gehirn und Muskeln, die ja Glukose brauchen, bei dieser Diät Energie bekommen?“ (wenn die Menschen nicht mit den Augen rollten, weil ich schon wieder mit Ernährung herumexperimentierte). Die Antwort (die ich damals nicht so gut ausdrucken konnte, wie die Uni Würzburg in ihrer kostenlosen Broschüre zum Thema ketogene Diät bei Krebserkrankungen) lautet: „Der Körper ist in der Lage, sich auf die Energiegewinnung aus Fett und Eiweß umzustellen und benötigt keine Kohlenhydrate, wenn man genug Fett und Eiweß zu sich nimmt. Die benötigte Glukose für die Mitochondrien kann die Leber selber aus Ketonkörpern und Aminosäuren herstellen“ (www.frauenklinik.uni-wuerzburg.de 11/8;5).

Und aus dem Keto-Buch für Krebspatienten lautet die Botschaft:

„Keine Angst vor Fett (…) eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung beinflusst die Chlolesterinwerte in eine Richtung, die positiv anzusehen ist“

(Kämmerer et al. 2016:136)10.

Schutzfaktoren, die genau so wichtig sind, wie die Ernährung deiner Mitochondrien:

In beiden Programmen von Dr. Wahls und Prof. Jelinek, so wie in unzähligen Studien nachgewiesen, gehören diese Schutzfaktoren unbedingt zu deinem neuen Lebensstil.

Schutzfaktor Bewegung

Wie soll das denn gehen”, fragst du? Jede Bewegung tut weh, selbst das Atmen und trotzdem fordere ich dich auf, dich täglich bewegen. Ja! Weil „fehlende Bewegung in die Bewegungslosigkeit führt“ (Wahls 2014:284).

Und weil Bewegung…

  • Die Zellatmung aktiviert (=mehr und stärkere Mitochondrien) (Kämmerer et al. 2012:155)
  • Fatique/ Müdigkeit verringert (Deine Müdigkeit wird nicht dadurch verringert, dass du dich schonst – im Gegenteil!
  • Muskeln erhält und aufbaut, hingegen Insulin, Cortisol (Stress) und Leptin abbaut
  • Entzündungshemmend wirkt (schädliche Immunfunktionen werden reduziert (Kämmerer et al. 2012:155)
  • Und weil Muskeln Herz, Gehirn (!) und Lungen auf Bewegung angewiesen sind, um überhaupt zu funktionieren und gesund zu bleiben.„Bewegung nimmt direkt Einfluss auf Gehirn und Rückenmark. Unser Gehirn ist buchstäblich auf die Wachstumsfaktoren angewiesen, die durch Bewegung hormonell im Gehirn freigesetzt werden, um die Gehirnzellen zu versorgen (Wahls 2014:285).

In meinem Übungsheft „Yoga auf und mit dem Stuhl“ und auf der Website vom Verein plädiere ich für das imaginäre Üben, wenn der Körper „verhindert“ ist. Das Üben in der Vorstellung ist genauso zeitintensiv, wie das „reale Üben“ zu gestalten. Du nutzt alle Sinne: Du spürst die Anstrengung, riechst den Schweiß und merkst die Wärme, die produziert wird. Dr. Joachim Faulstich11 spricht von den Spiegelneuronen im Gehirn, die den Unterschied nicht kennen, zwischen Vorstellung und realem Tun. Imaginäres Üben wird schon lange bei Spitzensportlern eingesetzt. Und seit einigen Jahren, mit Erfolg, in der ReHa. Imagination und Tun sind für das Gehirn nicht so unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick aussieht. Das Muskelkraft-Experiment von Dr. Guang Yue und Kelly Cole zeigte, dass der Muskelzuwachs derer, die nur in der Vorstellung geübt hatten nur 8% geringer war, als bei der Kontrollgruppe, die tatsächlich trainiert hatte! 12 

Schutzfaktor “Frische Luft und Sonne” beinhaltet, dass du deiner Haut tatsächlich der Sonne aussetzt. Ohne Mütze und Handschuhe. 15 Minuten 5mal die Woche. Über die Bedeutung von Vitamin D bei Autoimmunerkrankungen wurde viel geschrieben. Bei Sowohl Dr. Wahls, wie auch bei Prof. Jelinek ist Vitamin D / Sonne tanken eine immens wichtige Säule.

Schutzfaktor Entspannung & Meditation

Bei fast allen mit einer Autoimmunerkrankung ist der Cortisol-Gehalt im Blut zu hoch. Cortisol ist ein Stresshormon. Es ist keine Kunst, in unserer „Zivilisation“ gestresst zu sein. Es ist auch keine Kunst, wenn man schwer krank ist, sehr gestresst zu sein. Stress wird von jeder Sorge, Grübelei und Ärger verursacht und muss aktiv von dir durch geeignete Entspannung und/oder Bewegung abgebaut werden. Dr Lissa Rankin schreibt:„Sind wir im Griff negativer Überzeugungen, nimmt das Gehirn dies als Bedrohung wahr. Wenn es nach ihm ginge, könnte uns genauso gut ein Löwe auf den Fersen sein. Kampf oder Flucht, das ist jetzt die Frage.

Während einer solchen Stressreaktion stellt der Körper langfristige Belange, wie Zellerneuerung, Selbstreparatur und Reduzierung von Alterserscheinungen zurück, denn er ist jetzt mit Wichtigerem beschäftigt“13Eine Frage, die ich oft höre ist: “Meine Ur-Oma hat ganz bestimmt nicht jeden Tag Entspannung geübt, warum sollte ich diesen modernen Kram machen?“ Dazu sage ich:“ Du kannst sehr gerne stattdessen, wie deine Vorfahren, damit anfangen jeden Tag 20 km zu laufen, denn so hat sie Stresshormone nebenbei abgebaut. Oder: Du lernst eine Entspannungstechnik, die dir zusagt“. Die meisten wollen dann doch lieber aktiv entspannen lernen!

Unter der Obhut vom Parasympathikus (Gefühl: „ich bin in Sicherheit und alles ist gut“) wissen die Zellen, dass sie sich auf ihre lebenssteuernde Aufgabe konzentrieren können: Hormone bilden, Toxine ausscheiden und Proteine für die Bildung neuer Zellen herstellen, Immunzellen unterstützen, Schäden reparieren und wachsen“ (Wahls 2014:356) „Die Stressreaktion setzt eine Kaskade von Veränderungen im Körper im Gang (…) die langfristig in drastischer Weise zerstörerisch wirken können“ (Wahls 2014:63). Der langfristig unsympathische Sympathikus sorgt dafür, dass alle oben genannten Aufgaben SOFORT gestoppt werden. Kommt keine Entwarnung von dir (in Form von entweder 20 km laufen oder aktive Entspannung) bleibt es auch so!

Fang klein oder groß an, fang hundertmal wieder an, wenn es so sein muss, aber fang an! 

Du weißt am besten, was du mit all diesen Informationen machst. Wenn ich in dir den Samen pflanzen konnte, dass du mit deinem Lebensstil viel in der Hand hast, dann ist meine Aufgabe getan. Jetzt bist du dran. Gehörst du zu denen, die sich mit Essens-Veränderungen schwer tun, dann fange mit den Schutzfaktoren an. Starte Aktion “Vitamin D” und gehe jeden Tag ins Freie. Jetzt! Ich meine es! Gehe eine Runde um den Block, bevor du irgendwas anderes tust.

In Liebe und alles Gute,

Michelle

Fußnoten für den roten Faden

1 Dr. Terry Wahls, selber betroffen und Autorin von “Multiple Sklerose erfolgreich behandeln“ VAK 2014        http://terrywahls.com/tag/wahls-diet/

2 Prof. Dr. George Jelinek et al. „Health-related quality of life outcomes at one and five years after a residential retreat promoting lifestyle modification for people with multiple sclerosis“. Neurol Sciences 2012. Autor von „Overcoming Multiple Sclerosis“ Allen & Unwin Inc 2010     https://overcomingms.org/

3 Auch kein Doktor, aber enorm kämpferischer und aktiver Betroffener, und daher sehr lesenswert: Sven Böttcher:„Diagnose: unheilbar, Therapie: selbstbestimmt: Vom souveränen Umgang mit der Schulmedizin. Ein Erfahrungsbericht“ Ludwig Buchverlag, 2015

6 Wird in vielen weiteren Studien bestätigt, u.a.Stafstrom/Rho „Front Pharmacol“ 2012;3:59. Hervorzuheben ist diese Studie von V. Longo & M. Bock, Charité Berlin und Y. Choi et al. In „A Diet Mimicking Fasting Promotes Regeneration and Reduces Autoimmunity and Multiple Sclerosis Symptoms” (Cell Reports, May 2016) :  Fasten (7 Tage) und anschl. Ketogene Diät (6 Monate) verringern die MS-Symptome und erhöht Myelin. Fasten führt zur Kortison-Ausschüttung des Körpers und damit Beseitigung der Autoimmunzellen. Die ketogene Diät fördert die Herstellung neuer Zellen.

7 Abgepackte Nahrungsmittel haben oft in der Zutatenliste Casein, Molke, Milch, Weizen, Milcheiweiß, Hydrolysate (auch Milch) oder Gluten. Auch, wo man es nicht vermutet: In Aufschnitt, Soßen und Würzmischungen.

8  Studie über Alpha-Liponsäure bei sekundär-progredienter MS: Das Antioxidanz hat entzündungsreduzierende und neuro-protektive Wirkung und zeigt eine signifikante Reduktion von Hirn-Atrophie, verbessertes Lauftempo, Reduktion von Stürzen, Fatique und Kognition. Liponsäure ist ein wichtiger Stoff in den Mitochondrien, die im Bezug zur MS stehen. Die Substanz findet sich vor allem in Fleischprodukten wie Leber, Niere und Herz  Lipoic acid for neuroprotection in secondary progressive multiple sclerosis: results of a randomized controlled pilot trial” (Neurology Advisor 16.04.2016 ) Jahrestagung der Amerik. Gesellsch. F. Neurologie (AAN) Spain RI, Powers K, Murchison C, et al. 

9  Tipp: Kalkuliere die Kohlenhydrate unter www.naehrwerttabelle.net/naehrwerttabelle.html

10 Kämmerer, Schlätterer und Knoll: „Krebszellen lieben Zucker, Patienten brauchen Fett“ Systemed 2016   http://krebszellen-lieben-zucker-patienten-brauchen-fett.de/

11 „Das Geheimnis der Heilung“ Knaur 2010

12 Norman Doidge „The Brain that changes itself“ Penguin Books 2007:203

13 „Mind over Medicine“ Kösel Verlag 2014:68  http://lissarankin.com/free-products

Wenn du nun motiviert bist, auf Gluten zu verzichten, teile ich hier mit dir das Rezept für meine Leinsamen-Cräcker. Warum Leinsamen auch noch Medizin für den Darm sind, das kannst du auch erfahren:

Leinsamen

Weiterführende Information von Dr. Marcus Bock (Charité Berlin)

-zur ketogenen Diät und die wunderbaren Auswirkungen auf chronischen Erkrankungen, allen voran Multipler Sklerose:

Website Dr. Bock
3sat Filmbeitrag