Atmend in die Entspannung

Der Atem kann unser Schlüssel für das Tor ins Hier und Jetzt sein. Wenn du ihn neutral und nicht-wertend beobachtest (frage dich: ist er hart, oberflächlich, weich, tief, welche Temperatur beim Ein- und Ausatmen, welche Körperbereiche heben und senken sich dabei, ist ein Nasenloch freier als das andere?), dann BIST du im Jetzt, denn der Atem findet NUR JETZT statt: Du kannst nicht Atemzüge nachholen, und du kannst nicht für die Zukunft im Voraus atmen. Nur jetzt. Das ist befreiend für den Geist, der sich 98  % der Zeit entweder mit der Vergangenheit in Form von Erinnerungen/Ärgernissen – oder mit der Zukunft in Form von Befürchtungen beschäftigt.

Eine ganz einfache Möglichkeit, die Atmung für eine Entspannung zu nutzen ist, die Atemzüge zu zählen: Einatmen “1” -ausatmen “2”, einatmen “3”, ausatmen “4” – und so weiter, bis du bis 20 gezählt hast. Dann fängst du wieder bei “1” an. Meist wird der Geist vorher abgelenkt. Wenn das passiert, fängst du wieder bei “1” an! Ich habe eine Audio-Datei mit der Anleitung für dich erstellt:

Atem-Meditation

Wie Pranayama (Atemübungen) wirken

Im Integralen Yoga wird immer auch “geatmet”. Mal sehr schnell (Blasebalg-Atmung/ Kaphalabati), mal sehr langsam (Ujayi/ Wechselatmung). Die Atmung beeinflusst unsere Stimmung und unsere Stimmung beeinflusst unser Atemmuster. Da ich oft in Yogastunden gehört habe: “Blasebalgatmung/Kaphalabati führt dem Gehirn viel Sauerstoff zu”, möchte ich in dem aufklappbaren Text kurz mit diesem Mythos aufräumen:

“Die Idee, dass ein Individuum mehr Sauerstoff durch Pranayama zugeführt bekommt, ist ein Mythos” (Gune, der erste Yoga-Wissenschaftler: Yoga Mimansa 1927). Die Athmosphäre unseres Planeten besteht zu 21% aus Sauerstoff. Der Kohlendioxid-Gehalt ist fünfhundertmal kleiner. Der menschliche Körper nutzt Hämoglobin, um den Sauerstoff zu gewinnen. Hämoglobin ist wie ein Schwamm, der den Sauerstoff aufnimmt und zu unseren Lungen und weiter ins Gewebe transportiert. Der Sauerstoffgehalt des Hämoglobins einer Person in Ruhe beträgt 97%: Das Hämoglobin hält an so viel Sauerstoff fest, wie es irgendwie möglich ist. Schnelles oder langsames Atmen ändert daran absolut nichts! Der Verbrauch des Körpers an Sauerstoff hingegen ist variabel, je nach Muskelaktivität, Metabolismus und Herzfrequenz, sein Verbrauch ist aber nicht abhängig vom Atemmodus. (W. J. Broad: The Science of Yoga, S. 85, Übers. der Autorin)

Du kannst den Sauerstoff-Gehalt deines Körpers also beim besten Willen nicht ändern. Der Kohlendioxid-Gehalt aber kann wohl variieren und dramatisch wechseln! Bei normaler Atmung werden die Lungen ziemlich ineffizient belüftet, sodass jede Einatmung bloß 10% des Stickstoffs austauscht. Wenn ein Mensch nun Kapalabhati (Schnell-Atmung) praktiziert, werden große Ströme frischer Luft in die Lungen gepumpt, die einen sehr geringen Gehalt an Stickstoff aufweisen (weniger als 1%), was dem Körper dazu veranlasst, die nun gefallene Konzentration des Stickstoffs in den Lungen  durch Heranholen der “Reserven” aus dem Blut zu ersetzen: Der Gehalt von Stickstoff im Körper sinkt! Dies führt zu den erwünschten Wirkungen der spezifischen Atemübung, nämlich Nerven-und Muskelerregung, das Gefühl von “Wachheit ” und “Präsenz”.

Langsames Atmen (z.B. Ujayi und Anuloma Viloma) bewirkt hingegen einen ANSTIEG des Co2-Gehalts im Blutsystem (wieder sind Diffusion und Ausgleichmechanismen verantwortlich: doppelt so lange Atemzüge bewirken einen verdoppelten Co2-Gehalt.

Ein Co2-Anstieg im Blut und mehr Oxygen für das Gehirn bewirken die gut bekannten und erwünschten Ergebnisse des langsamen Atmens: Entspannung, Achtsamkeit, Ruhe!  (W.J. Broad, S. 88, Übers. d. Autorin).

Die gleiche Wirkung haben Singen / Chanten, da hier auch die Ausatmung immens verlängert wird

Mehr über William J. Broad: 

http://topics.nytimes.com/top/reference/timestopics/people/b/william_j_broad/index.html

Folgende Auszüge sind aus “Yoga für Johanna” von Michelle Laise, 2015, kein Verlag.

Atmen kannst du nur JETZT

Du kannst keine Atemzüge der Vergangenheit nachholen

und keine im Voraus für die Zukunft

 

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