Trotz allem bewegend

Du hast auf meiner Seite bestimmt gelesen, wie wichtig Bewegung auch für den Abbau von Stresshormonen ist. Wie schädlich Stresshormone für alle chronischen Erkrankungen sind, darauf weise ich auch ständig hin. Aber was tun, wenn du bewegungsunfähig bist?

Wenn du absolut nicht in der Lage bist, dich körperlich zu betätigen, wird es dich freuen zu erfahren, dass es fast den gleichen Nutzen hat, visuell zu üben, mit Hilfe deiner Vorstellungskraft (sog. Imagination). Auf neurologischer Ebene sind Vorstellung und Realität nicht zu unterscheiden! Visualisierung als Rehabilitationsmethode wird zunehmend wissenschaftlich erforscht und es sind verblüffende Erfolge zu verzeichnen (Literatur-Tipp: Joachim Faulstich;”Das Geheimnis der Heilung”, MensSana 2010). Es gibt nur wenige Gründe, sich nicht zu bewegen. Die findest du hier:

Kontraindikationen

Visualisiere Bewegung, wenn du dich nicht bewegen kannst, denn:

Auf neuronaler Ebene ist es gleich, ob du dir etwas vorstellst oder tatsächlich tust. Dieses Faktum nutzen schon REHA-Kliniken für Patienten, die noch überhaupt nicht in der Lage sind, sich tatsächlich zu bewegen. Du kannst es nutzen, wenn du zu krank bist, um dich tatsächlich zu bewegen. Nutze alle Sinne und fühle “wirklich” die Anstrengung, die Wärme im Körper, wie der Atem schneller wird, wie der Schweiß läuft.

Imaginatives Üben nutzt deine Spiegelneuronen und steht dem realen Üben in (fast nichts) nach. Das bestätigt eine spannende Studie von G. Yue & K.J. Cole aus dem Jahre 1992 (!): Sie ließen eine Gruppe Menschen Krafttraining üben, die andere Gruppe übte nur in der Fantasie, aber: genauso lange und häufig, wie die “real” Übenden. Am Ende hatten die Menschen, die imaginativ geübt hatten, nur 8% weniger Muskelzuwachs, als diejenigen, die tatsächlich Eisen gestemmt hatten (“Strength increases from the motor program: comparison of training with maximal voluntary and imagined muscle contractions” Journal of Neurophysiology 1992 May;67(5):1114-23).

Diese Erkenntnis ist für mich dermaßen faszinierend und schenkt mir Hoffnung.

Realistisch wird das Fantasie-Üben dadurch, dass man sich die Bewegungen mit allen Sinnen ausmalt…und sich auch die Schwierigkeiten und Anstrengungen vorstellt – und wie man sie überwindet, denn:

Mentales Training bei Sportlern beinhaltet, darüber nachzudenken, was alles schief gehen kann, und wie man es trotzdem zur Goldmedaille bringen kann. Diejenigen, die nur vor dem geistigen Auge sahen, wie sie die Medaille bekamen, hatten tatsächlich weniger Gewinne am Ende der Karriere vorzuweisen, als diejenigen, die visualisierten, WIE sie aus dem Schlamassel wieder heraus kamen.  (sinngemäß nach Thomas Hohensee “Erleuchtung in 100 Tagen”, Knaur 2006)

Visualisiere, dass du trainierst. Nutze alle Sinne für diesen “Tagtraum”. Stelle dir vor, wie du deine Schwierigkeiten überwindest. Schaue dir meine Übungsserien an und stelle dir vor, du wärest die Protagonistin. Oder du stellst dir vor, du würdest deinen Liebslingssport von früher ausüben. Und nehme dir dann anschließend Zeit für eine Entspannungstechnik deiner Wahl. Das ist, neben deiner Ernährung, das wirkungsvollste, was du für dich tun kannst. Hier findest du eine geführte Imagination, die ich selber übe:

Imagination

Ich frage mich:

Wenn das Gehirn aufgrund der Spiegelneurone keinen Unterschied zwischen “Realität” und “Vorstellung” kennt, welche Grenzen der Gestaltung gibt es dann?

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