Trotz  Schmerz, trotz aller Einschränkungen und Herausforderungen, wir sind mehr, als unsere Defizite und Symptome

Eine Blickwinkel-Veränderung kann vieles relativieren. Ich kenne viele Menschen, die Schwierigkeiten haben, in einer Entspannung der wohlmeinenden Anweisung zu folgen: “Suche einen Ort in deinem Körper, wo keine Schmerzen zu fühlen sind”. Sie nehmen nur Schmerz wahr. Fordere ich sie aber auf, in ihre Nasenspitze oder Ohrläppchen zu spüren, dann entdecken sie Orte der Schmerzfreiheit. Das kann sehr erleichternd sein. Es ist aber nicht möglich, wenn die Perspektive unverändert bleibt. Das Gleiche gilt für Gefühle: Wenn jemand von Trauer oder Wut überwältigt ist, kann es so befreiend sein, in Füße hineinzuspüren, um festzustellen, dass dies eine “Depressions-Freie Zone” ist. Ist doch so, oder? Mein Hals, meine Brust, mein Kopf und Bauch fühlen sich, wenn ich tieftraurig oder ängstlich bin, sehr betroffen. Aber meine Füße nicht…Die Körperbereiche zu erpüren, wo es sich “alptraumartig” anfühlt, und dann jene, die neutral sind, wäre der erste Schritt, den du jetzt machen kannst.

Ich persönlich schätze die yogische Auffassung vom Selbst: Sie führt dich an einen Ort, wo du mehr bist, als deine Erkrankung und deine Traumata. Die Yogische Philosophie wird “Vedanta” genannt. “Jnana”-Yoga ist eine Disziplin, wo du eingeladen bist, dich selbst zu entdecken. Hier ist ein Auszug aus meinem Heft “Yoga für Johanna”: Eine komprimierte Einführung in ein Selbstkonzept, das mich stets in schweren Zeiten Trost gespendet hat.

Die buddhistische Philosophie und “Selbst-Verständnis” zeigt viele deckungsgleiche Ansätze: Auch hier geht es um alles in der Welt um “Nicht-Anhaften”, also das Nicht-Identifizieren mit Umständen, Situationen, Dingen und Beziehungen. Auch, wenn vieles gleich ist, will ich ein Buch vorstellen, das lebensnahe Interpretationen des buddhistischen Weltbildes aufzeigt: Thomas Hohensee “Erleuchtung in 7 Tagen”.

Jeder Mensch ist in seiner eigenen Welt gefangen. Alle erleben Leid und Glück. Manche leiden, weil sie nicht reich und berühmt sind. Andere leiden, weil sie es sind. Dies ist Tragikomik pur und dieses Wissen hilft, Abstand zur eigenen Welt zu bekommen und Dinge nicht mehr so ernst zu nehmen.

Leiden entsteht durch Gier, Hass und Verblendung

Nicht-erleuchtete Menschen geben der Situation die Schuld für ihr Leid. Sie glauben, durch vollkommene Beherrschung ihrer Umgebung Linderung zu bekommen. Buddha hat nur diejenigen als “große” Menschen bezeichnet, denen es gelungen war, das Leid zu überwinden und niemanden mehr Schaden zuzufügen.

Buddha wurde nicht müde, Gier (etwas unbedingt haben oder tun zu müssen) und Hass (großer Widerwille, Abscheu, Rachlust, Feindschaft) als die größten Leid bringenden Ursachen herauszustellen.  Leiden ist demnach das Erleben von etwas, was man hasst und getrennt sein von dem, was man liebt.

Leiden ist, wenn wir  die Dinge nicht einfach nicht so nehmen,wie sie sind. Wir schreien, wenn die Realität sich nicht so verhält, wie wir es für richtig halten. Wenn das länger so geht, resignieren wir irgendwann und schließen: “Das Leben meint es nicht gut mit mir”.

Unsere Wünsche sind nicht das Problem! Erst das unbedingte Verlangen, dass sie sich erfüllen MÜSSEN, erzeugt den inneren Schmerz. Wünsche sind leicht und beflügeln. Gier ist drängend, atemraubend und  schwer. Der Unterschied zwischen Wunsch und Gier liegt im Grad des Leidens: Wünsche können und dürfen sich erfüllen. Gier MUSS sich erfüllen – man triumphiert, wenn man am Ziel ist und leidet maßlos, wenn sie unerfüllt bleibt.

Befreie dich also von deiner Gier, nicht von deinen Wünschen.

Auch nach der Erleuchtung hast du Wünsche und weißt, was du willst und nicht – aber du bestehst nicht darauf, dass etwas bestimmtes eintreffen musst.

Du musst keine übernatürlichen Fähigkeiten haben, um erleuchtet zu werden.  Buddha selbst war sich nicht sicher, ob er allen Situationen gewachsen wäre. Einmal wurde er von einem Gegner beschimpft. Da stellte er erfreut fest, dass die Worte ihm nichts anhaben konnten ” Es war so, als würde mein Gegner gegen den Wind spucken”. Der Buddha freute sich, dass er diese Bewährungsprobe bestanden hatte.  Dennoch war der Buddha frei von der Gier nach eigener Vollkommenheit. Er verlangte nie von sich, alle Höllensituationen zu meistern (das wäre sonst erneut Gier). Erleuchtung befreit  von Gier, Hass und Verblendung, jedoch nicht von Angst, Zweifel, Ärger und Enttäuschung, weil diese Gefühle uns dienlich sind: Sie agieren als Warnsysteme in einer Welt voller Gefahren. Ein geläuterter Drache frisst zwar nicht den Störenfried, faucht ihn aber wohl an!

Stress nimmt nach der Erleuchtung deutlich ab, denn er ist ein Zeichen von Überlastung durch Gier. Wünsche blieben!

Buddha wusste immer genau, was er wollte: Befreiung von dem immer wiederkehrenden Unglücklichsein.  Trotz seiner Fehlschläge mit Meditation, Askese und Yoga gab er nie auf. Als erstes verließ er die Verhältnisse, die ihm nicht gut taten (Familie, Beruf). Nicht Meditation, sondern ACHTSAMKEIT führte ihn zum Ziel. Er beobachtete was ihm gut tat, und was ihm schadete. Er prüfte die Aussagen anderer sehr genau, in Tat und Theorie.

Nur einen Gedanken von der Erleuchtung entfernt: auf Denken folgt fühlen

Du kannst nur einen Gedanken in einem Moment denken, nicht zwei gleichzeitig. Sie können zwar schnell nacheinander erscheinen und somit die Gefühle, aber es geht nur immer einen pro Moment. “Wenn dem Übenden Gier, Hass und Verblendung aufsteigen, so soll er sie durch angenehme und heilsame Gedanken ersetzen.Gelingt das nicht und sie kommen wieder, so soll er sie ignorieren, als wären sie nicht da”. Wie wenn geschickte Eltern ihre weinenden Kinder auf andere Gedanken bringen: schnell sind da die Tränen getrocknet. Nicht so kluge Eltern lassen ihre Kinder mit ihrem Unglück allein, schimpfen vielleicht sogar mit ihnen.

Es ist weder möglich noch nötig, sich ständig glückliche Gedanken zu machen. Der Buddha empfahl stets den Mittelweg, den Fluss. Die beiden Extreme zu positiv oder zu negativ sollte man vermeiden.

Der Buddha merkte durch Selbstbeobachtung, dass es bestimmte Gedanken waren, die ihn am Glücklich sein hinderten. Und die Leidvollen Gedanken hatten alle etwas gemeinsam: Sie stimmten  mit der Realität nicht überein, sondern verzerrten diese in ungünstiger Weise. Besonders ein Gedanke führte immer wieder zu Leid: Der Glaube etwas haben oder TUN zu müssen.

In derselben Weise beobachtete er die Folgen seiner Gelassenheit und stellte fest, dass er in diesem Zustand locker blieb, ob er nun seine Ziele erreichte oder nicht. Gaben ihm andere nicht was er haben wollte, war er zuversichtlich, dass er es von woanders bekommen würde – ODER leichten Herzens darauf verzichten könne.

Nachdem der Buddha die Nachteile von Gier und die Vorteile von Gelassenheit beobachtet hatte, teilte er fortan achtsam und unnachgiebig seine Gedanken in diese Kategorien ein “aha…da ist Gier…aha..nun kommt Gelassenheit…aha da ist Hass…aha da ist Verblendung…aha da ist Freundlichkeit”…statt sich in dem Wortlaut der Gedanken zu verlieren. Er ersetzte jeden gierigen Gedanken durch einen gelassenen. Und jeden hasserfüllten gegen einen freundlichen. (Tipp: leichter für mich ist die Einteilung in “Gedanken der Vergangenheit betreffend”, “Gedanken der Zukunft betreffend” und “Unsinn”, ich habe gemerkt, dass alle Gedanken sich in diese drei Kategorien einteilen lassen. Sollte ein Gedanke kommen, der das “Jetzt” betrifft, dann kehrt auch sofort Frieden ein. Anm. der Autorin).

Denk-Gewohnheiten ändern zu wollen heißt oft, durch ein tiefes Tal zu gehen. Wenn der Verstand neue Einsichten gewonnen hat, macht das Gefühl nämlich erstmal nicht mit, es kommt zu Disharmonie und Kampf. Es ist schwer. Hält man die Dissonanz aber aus, verändert sich die Gewohnheit UND das Gefühl. Es gibt wieder Harmonie. Die Steuerung der Gedanken ist das wichtigste Instrument, was du je lernen kannst.

 

Trost und Ruhe kannst nur DU dir selber geben. Glücklicherweise ist Frieden immer in Reichweite. Um ihn wahrzunehmen, brauchst du nur Stille. Bist du bereit?

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