Project Description

Meine 28-tägige Cleanse

4 Wochen roh und unverarbeitet

nur die Natur kann uns heilen: Mein Selbstversuch als Tagebuch

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich schon bei Tag 3 der Raw Cleanse, also der Rohkostkur, angelangt. Ich wollte erst nachspüren, wie es sich anfühlt, bevor ich das Projekt herausposaune. Ich hatte schon 15 Tage “nur Rohkost” vor einigen Monaten geschafft. Da hat die Krankheit meines Partners einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mein altes Muster, Kummer mit Süß-Fettigem zu beruhigen, kam dann stark zum Ausdruck und machte es unmöglich, weiter zu machen.

Ich weiß also nicht, wie viele Tage ich diesmal schaffe (das Leben hält nun mal schwierige Ereignisse parat). Diese “Cleanse”, wie von Anthony William beschrieben, schließt Nüsse, Öle und Avocado aus. Dies ist zwar für die Entlastung der Leber, und für den Sauerstofftransport im Blut essentiell, aber zugleich meine größte Herausforderung.

Am wichtigsten, um diese Kur durchhalten zu können ist es, genug zu essen

Das bedeutet bei Rohkost, dass in den Wachstunden minimum alle 60 Minuten ein Snack reinkommt. Es wird “gegrast”, also wie die Pferde auf der Koppel immerzu etwas gegessen. Das ist zum einen wichtig, weil Rohkost nicht die Kaloriendichte hat, wie “Standard-Essen”, zum anderen ist es bei überlasteten Nebennieren unerlässlich. Die meisten Menschen mit chronischen Erkrankungen haben Nebennieren, die kurz vor Burn Out stehen.

Und zu wissen, wie man Heißhunger vorbeugt

Ich habe gelernt, dass es im Grunde genommen nur  ZWEI Grund-Gelüste gibt : Entweder Lust auf  Glukose oder auf Mineralsalzen. In Junk-Food ausgedrückt : Chokolade oder Chips. Dieses Wissen wende ich an, indem ich dafür sorge, dass von beiden immer genug reinkommt. Natürlich Glukose in Form von Obst und Mineralsalze in Form von grünem Gemüse. Das erfordert Fokus, knallharte liebevolle Prioritäten und Selbstliebe. Früher konnte ich nichts essen, wenn ich Angst hatte, dafür hatte ich Fressattacken, wenn die sich legte. Hier habe ich eine Balance gefunden. Die effektivste Kombi aus Glukose+Mineralsalze besteht für mich in 3 Datteln mit einem Handvoll Spinatblättern. Grünes Blattgemüse spielt so oder so eine Hauptrolle in meinem Leben (erfahre hier warum).

Was isst du denn überhaupt?

Morgens trinke ich den Saft einer 1/2 Zitrone in einem Glas Wasser, um die Leber aufzuwecken. Ich warte 15 Minuten und dann kommt 0,5 l Selleriesaft dazu. Ich warte wieder 20 Minuten und frühstücke dann. Meistens die “Heavy-Metal-Detox-Smoothie” von Anthony William. Das klingt nach Hard-Rock, ist aber eine wohlschmeckende Heilmischung aus Dulse (atlantisches Meeresgemüse), Spirulina, Koriander, Gerstengras und Wildheidelbeeren. Dieser Smoothie soll -gemäß dem Namen – Schwermetalle ausleiten können.

Mein Speiseplan umfasst außerdem Äpfel, Aprikosen, Bananen, Beeren, Birnen, Datteln, Feigen, Granatapfel, Kiwis, Mangos, Melonen, Orangen, Mandarinen, Papayas, Weintrauben, Zitronen, Blattgemüse, Gurken, Kohl, Radieschen, Möhren, Keimlinge/Sprossen (selbst gezüchtet), Staudensellerie und Zwiebeln. Dazu alle Wildkräuter, die ich auf Spaziergängen finde (Brennnessel, Löwenzahn, Melde, Wegerich). Ich versuche die Rohkost schön herzurichten. Im Netz gibt es unter dem Suchbegriff “Raw gourmet” viel Inspiration. Zum Beispiel “SUSHI”

Tag 7

Mir geht es gut. Körperlich ist Energie vorhanden, psychisch bin ich stabil und positiv.

Mal schauen, was Woche 2 bringt. Mein Freund ist zwar Veganer, kocht aber so lecker, dass ich mich mindestens 1mal am Tag darauf freue, wieder “Gekochtes” zu essen…Die Gerüche sind mal leichter, mal schwerer auszuhalten. Vor allem fühle ich mich etwas ausgeschlossen, wenn er und die Kinder sich zu Tisch setzen…Krass, wie viel Soziales auch mit rein spielt.

Tag 11

Es läuft super, ich mache einiges, um die Lymphe im Körper in Bewegung zu halten (Trampolin, Sauna, EMS, draußen bewegen), was für meinen Körper sehr hilfreich ist. So habe ich diesmal nicht mit Kopfschmerzen und Müdigkeit zu kämpfen. Wohl aber mit Akne und unangenehmen, phasenweise auftretenden  “Druck-Ausgleich” im Ohr (es ist laut und beinflusst geringfügig mein Gleichgewicht). Als hätte man gerade eine Mittelohr-Entzündung überstanden. Ich bin ein “Mittelohr-Kind” und Akne habe ich auch seit meinem 13. lebensjahr immer mal wieder. Doch so aufdringlich entzündlich wie jetzt ist es schon bemerkenswert.

Womit man in einer Fasten- oder Reinigungskur immer rechnen muss, sind “Flare-ups”

-also ein Wiederaufflammen alter Symptome, sowie auch Entgiftungserscheinungen. Sollten diese zwei Faktoren Überhand nehmen, werde ich folgendes essen: Gedämpfte Kartoffeln und ditto Kürbis. Die körperlichen Symptome sind aber gut aushaltbar. Psychisch habe ich in letzter Zeit extremst, wie viele wissen, mit PTBS/ Angstattacken zu kämpfen. So auch schon zwei Mal in den letzten 11 Tagen (heute Nacht zuletzt). Sie erschüttern mich und mein Vertrauen tagelang.  Die Attacken sind nicht schlimmer durch die “Kur” geworden” aber auch nicht besser. Dafür sind die Tage zwischen den “Anfällen” wesentlich klarer, fokussierter und positiver. Daran orientiere ich mich.

Tag 18

Soeben hat mein wackelndes Internet alles gelöscht, was ich als Update geschrieben habe…Deswegen fällt mein Text jetzt etwas kürzer aus: Mir geht es gut, ich leide nicht besonders unter “Detox-erscheinungen” (nur Akne, brennende Nervenschmerzen, Ohrensausen und Durchschlafschwierigkeiten). Also nichts, was mich beunruhigen würde. Ich sorge für tägliche Bewegung, Meditation, regelmäßige Sauna/ Rotlicht, um meinen Körper bei der Entgiftung zu unterstützen. Seit 2 Tagen machen mich die “Kochgerüche” der anderen total hungrig. Das war vorher nicht so. Da haben mich die Gerüche nicht so stark mitgenommen, wie jetzt. Ich reagiere, indem ich mich mit Obst und Blattgemüse vollstopfe. Satt lässt es sich vernünftigere Entscheidungen machen.

Ich bin immer nur EINEN Schritt davon entfernt, eine schlechte Entscheidung zu treffen. Als Mensch mit starken Lebensmittel-Süchten, fragt jeder Tag nach einer bewussten Ausrichtung. Seit 5 Tagen habe ich keine Panik-Attacken: es ist wie Urlaub und hilft mir definitiv, bei der Stange zu bleiben.

21. Tag

Gestern ging es mir nicht gut. Ich hatte keinen Orientierungssinn. mein Gleichgewichtssinn war drastisch herabgesetzt, und so verletzte ich mir beim Umknicken meinen Fuß. Ich konnte nicht fokussieren, war verwirrt, räumlich wie psychisch. Einkaufen überforderte mich, ich vergaß die Hälfte, und so lag ich anschließend nur  frustriert und verunsichert im Bett. Dann kam heute die Monatblutung und der AHA-Moment:

Wenn der weibliche Körper mit Eisprung oder Monatblutung beschäftigt ist, ist das Immunsystem nicht besonders stark. So haben die Pathogene im Körper für diese Tage “leichtes Spiel”: Alte Zipperlein können wieder auftauchen, neue hinzukommen. Egal, ob man fastet, kurt oder wie auch immer.

Da ich gestern noch nicht kapiert hatte, dass es wieder die Zeit ist, war ich leicht verängstigt. Heute bin ich immer noch geschwächt aber guten Mutes, denn ich weiß, was lost ist. Es ist so wichtig, dieses Wissen um unseren wertvollen weiblichen Zyklus zu haben. Dann kann ich mich liebevoll umsorgen, anstatt emotional in die Krise zu schlittern. Und so kann ich heute sagen: Ich bin weiterhin bei der Raw Cleanse dabei, fahre aber mein Bewegungsprogramm heute und morgen runter, hüte das Bett und trinke ausnahmsweise Tee (ich hatte auf dieser Kur bisher nicht das Bedürfnis danach). Ich fühle mich den Umständen entsprechend gut, brauche keine Schmerzmittel, nur eine Wärmflasche.

Generell sind meine “Mond-Tage” (Blutung) wesentlich angenehmer, unauffälliger, seit ich dem Medical Medium Protokoll folge

Ich litt seit dem 14. Lebensjahr unter schmerzhaften, sehr starken Blutungen. Dies war die letzten 5 Monate nicht mehr der Fall. Und so schließe ich die 3. Woche erstaunt (weil ich noch nie in meinem Leben so lange am Stück Rohkost geschafft habe) und dankbar (weil es mir gut geht und ich Hoffnung spüre) mit diesem Zitat ab:

Gemälde einer schönen Frau symbolisiert die Effekte der Rohkostkur nach Anthony William (Mediale Medizin)

“Zähle die Köche: Du wirst dich nicht länger über die zahlreichen Unpässlichkeiten der Menschen wundern” Seneca

28. Tag

Ich habe mich selbst überrascht. Dies ist die längste Periode in meinem Leben, wo ich ausschließlich Rohkost gegessen habe. Genauer gesagt, Rohkost ohne Nüsse und Öl.

Erstmal ganz viel Glitzerkonfetti für mich. Es stand nicht in den Sternen, dass ich das schaffen würde. Und ich habe in meinem häuslichen Raum zwar die mentale Unterstützung gehabt, jedoch wurde Abend für Abend leckere vegane Speisen gekocht. So niedergeschlagen, wie ich nach dem letzten “Cleanse-Abbruch” war, so fröhlich muss ich jetzt auch feiern, dass ich es geschafft habe. Und was nun?

Ich will mit dieser Ernährung weitermachen. Es werden aber mal mehr, mal weniger Kartoffeln, Kürbis, Artischocken, Spargel und anderes gedämpftes Gemüse sich dazu gesellen dürfen. Abends, zumindest. Ich möchte gelegentlich das wichtige soziale Element “zusammen kochen” als Teil meines Lebens fühlen. Und es werden weitere “Cleanses” kommen. Ich fühle: diese Cleanse war die erste einer unbekannt langen Reihe. Sie hat mich neugierig gemacht: Was kann mein Körper noch leisten, wenn ich ihm den Raum und die Werkzeuge gebe?

Viele schwere MS-, und neurologische Symptome sind weg. Dafür habe ich Akne, wie nix Gutes und ich habe kein Gramm abgenommen. Daraus schließe ich, dass meine Leber noch nicht auf der Höhe ist,  und die Streptokokken noch zahlreich in mir vorhanden sind. Ich hatte nur 1 schlimme PTBS-Panik-Attacke während der 28 Tage: 7 weniger, als in einem Durchschnittmonat. Insgesamt hatte ich mehr gute, als schlechte Tage.

Mein Tipp: Farben für das Tagebuch

Für alle, die irgendeine “Cleanse”/ Kur/ Detox vor haben, möchte ich berichten, was mich motiviert hielt: Eine simple, farbcodierte Auflistung meiner Symtome und meines Befindens (und auch, was ich gegessen hatte und ob Sport möglich war). An “Blauen Tagen” (=recht schlechte Befindlichkeit) konnte ich mit einem Blick schauen und sicherstellen, dass die “Pinken, Gelben und Orange Tage” doch überwogen. Das war für mich extrem wichtig und half mir, nicht hinzuschmeißen. Wichtig ist, dass dieses “auf einem Blick Tagebuch” gut sichbar und zugänglich für mich ist. Es war das zweite, was ich gesehen habe, wenn ich aufgestanden bin. Auch habe ich, eben so sichtbar eine Liste gemacht mit den Symptomen, unter denen ich zu Beginn der Cleanse litt. Leute, man vergißt Schmerzen sooo schnell. Dann kann man gar nicht den Fortschritt würdigen. Und es ist wichtig, anzuerkennen, was der Körper leistet. Im Grunde ist diese “Journal-Technik” eine Vergegenwärtigung von Fokus, Überblick und Motivation.

Foto meines Smptomtagebuchs während meiner 28-tägigen Rohkostkur

Ich werde dieses “Tracking” weitermachen (was ja mittels Fitness-Watch so populär ist, nur bei mir ist alles analog). Sind in einem Monat zu viele “Blaue Fähnchen”, dann gibt es wieder eine Cleanse. So einfach ist das. Diesen Monat werde ich auch beim Arzt das Blut checken lassen: Vitamin B, D, Eisen. Bei aller Liebe zum Detox und Clean Eating: Die Werte müssen einfach stimmen!

Ich freue mich unsäglich auf Kartoffeln. Morgen Abend wird wie Heiligabend für mich sein.

Ein Porträt von Anthony William mit deutschen Untertiteln findest du HIER