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Bewegung transformiert den Geist

Was du vermutlich über Training weißt: Sport ist gut für das Herz und zum Abnehmen…

aber was haben Muckis und Schwitzen mit einem klugen Kopf zu tun?

Die Vorteile für das Herz-Kreislaufsystem interessieren dich vielleicht, wenn du abnehmen willst oder du Angst hast, einen Herzinfarkt zu erleiden. Aber jeder von uns ist doch daran interessiert die Gehirnleistung zu boosten…  Wie beeinflusst also Sport unsere Intelligenz?

Die erste Frage muss aber lauten „Warum haben wir überhaupt ein Gehirn?“. Manche werden spontan antworten: „Damit ich denken kann!“. Neurowissenschaftler Prof. Daniel Wolpert widerlegt aber vehement diese Behauptung:

Wir haben nur deswegen ein Gehirn, um komplexe Bewegungen zu Stande zu bringen! Das ist die einzige Funktion.

Schauen wir uns die Seescheide an (ein Meerestier)

Am Anfang ihres Lebend hat sie noch ein labberiges Nervensystem und wandert umher, um einen passenden Stein am Meeresgrund zu finden, wo sie festwachsen und für den Rest ihres Lebens bleiben kann. Ab dem Moment, wo sie ihren Stein gefunden hat, verdaut sie ihr eigenes Gehirn, denn sie braucht es nicht mehr, um ihr Überleben zu sichern.

Ein anderes Beispiel ist der Koala-Bär

Sein Verdauungsystem hat sich so angepasst, dass er all seine Energie aus einer einzigen Quelle ziehen kann: den Eukalyptusblättern. Er muss sich daher kaum bewegen, sitzt nur herum und greift nach den Blättern. Früher in seiner Evolutionsgeschichte hatte er ein viel größeres Gehirn. Jetzt, wo er sich für die Jagd auf Nahrung nicht mehr bewegen muss, ist das Gehirn geschrumpft.

Bewegung sorgt für ein großes Gehirn.  Bewegung hilft dir aber nicht nur, besser Neues zu lernen, sondern senkt auch deinen Stress-Level, baut Ängste ab UND hebt deine Stimmung.

Die California Department of Education zeigte in einer Studie aus 2002, dass je fitter die Schüler waren, desto höher punkteten sie auch in mathematischen Tests („High fitness Scores = High Test Scores“). Eine Studie von Winter et. al. (1) zeigte, dass Vokabeln Lernen 20% schneller bei denjenigen ging, die vorher intensives Laufen vollzogen hatten.

Im Buch „Sparks – the revolutionary new science of exercise and the brain“ von Dr. John J. Ratey (2009 Quercus) kannst du sehr viele Studien zu dem Thema lesen und sie sagen alle das Gleiche aus: „Sport transformiert deinen Geist“.

BDNF für die Nerven

Den Schlüssel zu diesem Effekt haben die Forscher auch identifiziert: Brain derived neurotrophic factor (BDNF). Übersetzt heißt das „vom Gehirn stammender neurotropher Faktor“.
Um etwas lernen zu können, MUSS das Gehirn tatsächlich wachsen und sich selbst so modifizieren, dass die Nerven ungehindert Signale abfeuern können. Schüttet man in einer Petrischale BDNF auf Nervenzellen, produzieren diese neue Äste und Verzweigungen: Genau das, was wir zum Lernen brauchen. BDNF fördert die Nervenfunktion, ermutigt sie zum Wachsen, stärkt und beschützt sie gegen vorzeitigen Zelltod (2). BDNF ist ein wichtiger biologischer Link zwischen Bewegung, Denken und Fühlen.

Und? Was denkst du, kannst du tun, um mehr BDNF zu produzieren? Richtig! Sport!

Joggen statt Kaffee

2013 zeigte eine Studie im Journal of Sports Science and Medicine, dass 20-40 Min Aerobes Training eine BDNF Steigerung von 32% zur Folge hat.  Statt Kaffee vor einer Konzentrations/-oder Lernaufgabe zu trinken, sollten wir lieber ein Mal um den Block laufen.
Der Körper reagiert auf Grund von Reizen, bzw. „Wenn…dann“-Konditionen. Beispiel „wenn kalt, dann zittern“, oder „wenn warm, dann Schweiß produzieren“. So auch beim erwünschten BDNF: „Wenn Sport, dann BDNF ausschütten“. Es gibt keinen anderen Weg*.

Sport signalisiert dem Gehirn, dass etwas äußerst Bedeutsames gerade passiert

In der Steinzeit bewegte man sich, um Essen zu finden oder selbst nicht auf „dem Teller“ zu landen. Das Gehirn musste lernen, das nächste Mal wieder die leckeren Beeren zu finden oder, wie die Fußspuren von Raubtieren zu interpretieren seien. Auf dem Sofa vor dem Fernseher zu liegen sagt dem Gehirn „Hier passiert nichts Bedeutsames, du brauchst nicht zu wachsen“ (3). Auf dem Sofa zu liegen bedeutet leider nicht unbedingt Entspannung, denn ein wichtiger Konditionalsatz des Gehirns lautet: A.)„Wenn ein Löwe gesichtet wird, DANN Stresshormone ausschütten“. Und B.)„Wenn du weggelaufen oder gekämpft hast, DANN Stresshormone wieder abbauen“. Die meisten von uns aktivieren permanent “A” (denn jede Sorge, Kummer, Ärgernis löst “A” aus). Und die meisten von uns vergessen “B” zu aktivieren (in Form von Sport).

 

 “Gäbe es ein Medikament, das so viele gesundheitliche Vorteile für uns hätte, wie Sport, dann wäre es die wertvollste pharmazeutische Erfindung, die je entwickelt wurde“ (Dr. Mark Tarnopolsky,  Times Magazine 09/16: Übersetzung der Autorin).

1)„High impacht running improves learning“ Neurobiology of Learning and Memory Vol. 87, Issue 4, May 2007: 597–609

2)  („The effects of aerobic exercise intensity and duration on levels of brain-derived neurotrophic factor in healthy men“ 12, 502 – 511 Schmolesky et. al.).

3) Die gute Nachricht für schwer kranke, bettlägerige Menschen ist: Imaginativer Sport steht dem „realen Sport“ kaum in etwas nach, vgl. Studie https://journals.physiology.org/doi/full/10.1152/jn.00386.2014