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Epigenetik und grüne Hoffnung

Was ist Methyldonation und warum ist es für unseren Körper so hilfreich?

wie Ernährung und Lifestyle unsere Gen-Expression beeinflusst

Ich bin süchtig. Nach Süßigkeiten. Ich rauche zwar seit 3 Jahren nicht. Es ist aber mein 12. Rauchstopp, oder soll ich zynisch sagen: „Pause“?. Denn so geht es seit mehr als 20 jahren. Dabei weiß ich doch: Essen ist Medizin. Schlechtes Essen ist ungünstig und Nikotin ist Gift!

Was sind deine Laster?

Welche „Genüsse“ müsstest du eigentlich weglassen, damit es dir besser ginge? Warum ist es so schwer, das Richtige zu tun? Warum kann mein Bekannter nicht seine Ernährung umstellen, obwohl man mit Sicherheit weiß, dass Diabetes wie kaum eine andere Erkrankung auf eine Diät ohne Zucker überwältigend positiv anspricht? Warum fange ich immer wieder an zu rauchen, obwohl Nikotin ein Nervengift ist, und ich mit MS darauf definitiv verzichten sollte? Nun, Man weiß, dass Menschen, die in der Kindheit Vernachlässigung und Missbrauch erlebt haben, für Süchte anfälliger sind. Und wer von uns ist unbeschadet durch die Kindheit gekommen?

In PET-Aufnahmen von einem gesunden Gehirn sieht man das Belohnungszentrum aufleuchten, wenn Dopamin – dieser fantastische, lustvolle, genußvolle Neurotransmitter – sich mit Dopaminrezeptoren verbindet. Das gleiche Zentrum leuchtet auf, wenn irgendeine Sucht befriedigt wird: Ob Heroin oder Zucker (Zucker macht abhängiger, als Kokain, vgl. Oreo-Studie1). Die meisten von uns haben eine Abhängigkeit von einem oder mehreren Lebensmittel, aber überraschenderweise gilt der „Jieper“ nie dem Grünkohl. Die Voraussetzungen für eine Sucht sind: Gaumenschmeichelnd weich oder knusprig, zuckerhaltig, salzig, fettig. Also Junk Food.

In den PET-Scans sehen wir Schäden am Belohnungszentrum, wenn eine Sucht vorliegt

Süchte kapern und verändern das Belohnungszentrum. Dadurch braucht man leider immer mehr von der Substanz, um eine Wirkung zu spüren. Und irgendwann ist gar keine Wirkung mehr da, sondern nur die Angst davor, die Droge nicht mehr zu bekommen, Angst vor den Schmerzen der Entwöhnung. Ob Kokain oder Junk Food: Die Schäden sind die Gleichen.

Es ist womöglich leichter, von Kokain frei zu werden. Essen muss man ja weiterhin. Und in fast allen Artikeln des Supermarktes ist Zucker drinne. Der Fix kann so schnell wieder passieren. “Zuckerfrei” bedeutet in der Industrie leider oft: Voll von etwas anderem, was meine Ur-Oma nicht als Lebensmittel erkannt hätte.

Aber das Belohnungszentrum ist nicht das einzige, das Schaden nimmt. Der präfrontale Cortex, auf den wird auch durch die Sucht eingeschlagen. Er sitzt hinter deiner Stirn. Er ist der Streber, der Kluge, er ist der Vorstand von unserem Gehirn. Er organisiert, legt Strategien zurecht, sorgt für Achtsamkeit und Aufmerksamkeit.

Er bietet der Impulsivität, der Ungeduld und dem Gernevt-Sein sozusagen die Stirn. Sucht schädigt ihm. Das ist mehr als ungünstig für uns als denkende Wesen. Es gibt aber noch etwas, was dem präfrontalem Cortex schädigt, und das ist Stress 2 und Schlafmangel. In der Kombination mit Süchten bildet diese unheilvolle Allianz den sichersten Weg, um Zivilisationserkrankungen und einen sehr dicken Bauch zu erlangen. Und dabei auch noch genervt, unachtsam und verwirrt zu sein. Wer hat schon Bock darauf?

Was ist Epigenetik und was hat es mit den Schäden zu tun, die Süchte anrichten?

Zum einen ist es – neben der Mikrobiom-Forschung – das heißeste Thema der Wissenschaft zur Zeit. Bis jetzt lehrten uns die Forscher, dass unsere DNA uns bestimmen und dass daran nicht zu rütteln sei. Die Gene seien unser Schicksal, sagten sie. Die Epigenetische Forschung sagt etwas ganz anderes (und die Mikrobiom-Forschung sagt das Gleiche): „Jeder Gedanke, jeder Bissen meines Essens, jeder Schritt meines Körpers – mein Lifestyle – ÄNDERN den Ausdruck meiner Gene, mein Schicksal.

Von Fett bis fit – Die Agouti-Mäuse

Das sind Mäuse, die zum Tode verurteilt sind. Das Agouti-Gen macht Mäuse fett, energielos und gelb3. Sie sterben für gewöhnlich sehr früh. Die Forscher gaben den Mäusen grüne Pflanzen zu essen. Grünes Gemüse und Pflanzen können etwas, was man „Methyl-Donation“ nennt. Ein Organ-Donor in Grün. Die Babies der Mäuse, die mit Grün gefüttert wurden, waren gesund. Die Methyl-Donation – die Methylisierung ihrer Gene – hatte das Agouti-Gen ausgeschaltet.Das ist sensationell!!! Manche Ärzte und Patienten wollen nicht 10 Forschungsjahre abwarten, bis bewiesen ist, dass Methyl-Donation auch für Menschen funktioniert.

Und es gibt schon die ersten mut-machenden Berichte von Erkrankten

Die beeindruckendste unter ihnen ist Betty Lou Sweeney. Einst 125 kg schwer, 68 Jahre alt, 26 Medikamente einnehmend. Sie endete auf der Intensivstation mit u.a. akutem Nierenversagen. Dann hatte sie einen Geistesblitz. Sie machte einen kalten Entzug von all ihren Ess-Süchten. Sie machte Stopp mit allen anderen Anhängigkeiten. Sie machte Sport. Es dauerte 2-3 Jahre, bis sie Besserungen spürte. Jetzt findet man sie im Guiness Buch der Rekorde. Sie kann die Bretthaltung („plank“) am längsten von allen halten: 37 Minuten. Es gibt keine sofortige Belohnung, wenn man mit Süchten jedweder Art Schluss macht. Im Gegenteil: (Kalter) Entzug ist schmerzhaft und man fühlt sich kränker als vielleicht je zuvor. Aber was ist die Alternative?

Steter Tropfen statt Kaltem Entzug

Wenn du Zeit hast (also nicht gerade eine Todesurteil-Diagnose erhalten hast) empfehle ich dir meine Methode: Ab sofort 4 Handvoll grünes Blattgemüse zu verzehren. Jeden Tag. Egal, wie du dich sonst ernährst. Du musst nichts ändern, außer, dass du diese 4 Handvoll Spinat, Löwenzahn, Rucola oder anderes dunkelgrünes Blattgemüse irgendwie aufnimmst. Grüne Smoothies helfen dir. Mixe das Gemüse mit einem Apfel/Banane und trinke deinen Salat. Chlorophyll (der grüne Farbstoff) ist deinem Blut so unfassbar ähnlich, es ist wie eine Vital-Infusion. Du wirst bald die Wirkung spüren. So gestärkt wirst du immer besser in der Lage sein, gesündere Entscheidungen zu treffen.

1 Dr. Joseph Schroeder „Are Oreos Addictive? Nucleus Accumbens C-Fos Expression Is Correlated with Conditioned Place Preference to Cocaine, Morphine and High Fat/Sugar Food Consumption“University of Connecticut 2013

2 Wenn du meine Newsletter und Artikel kennst, dann weißt du auch, dass mein wichtigster ratschlag für chronisch Kranke Menschen ist: „aktive Entspannung“ üben. Weil Stresshormone jede Erkrankung verschlimmert, ja sogar mit verursacht.

3 Nutr Rev. 2008 Aug; 66(Suppl 1): S7–11. The agouti mouse model: an epigenetic biosensor for nutritional and environmental alterations on the fetal epigenome. Dana C Dolinoy