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In Meiner Haut (Teil 2)

Zu Hause im Körper Sein

Du bist tatsächlich für die weitere Reise zurückgekommen?

Ich freue mich sehr für dich! Die meisten Menschen werden von ihrem eigenen Geist sabotiert, wenn es darum geht, wieder verbindlichen Kontakt mit dem Körper, mit sich selbst anzubahnen. Dass du wieder hier bist, ist bedeutsamer, als du vielleicht jetzt spüren kannst.

Du hast ja letzte Woche die “Atembeobachtung” in jeder Toiletten-Pause gemacht. Du warst optimistisch und entschieden, deinen Körper zu leben. Und jetzt schaltet sich der Geist ein, jene Stimme im Kopf, die nur dein Bestes will, aber dabei ziemlich viel Scheiße produziert, weil er nur das kann, was deine Eltern und deine Lehrer ihm beigebracht haben. Ich nenne diese Stimme “die Schallplatte”, weil sie das wiederholt, was wir in frühester Kindheit gehört haben. Diese Schallplatte hat enorm Angst davor, etwas Neues zu lernen. Noch mehr fürchtet sie, dass du ihr nicht mehr zuhörst. Sie hält sich für die Chefin und diejenige, die dich am Leben hält. Sie denkt, dass “ich spüre mich nicht” eine sau-gute Überlebensstrategie wäre und will, dass es so bleibt. Sie hat 4 Möglichkeiten, deine Reise zurück auf deinen Körper-Thron zu sabotieren:

  • sie sagt dir, dass dieses Atem-Spüren (oder alles, was du hier liest)  Bullshit sei
  • sie macht aus dieser Reise eine Übung*, die du perfekt meistern musst, bis du erschöpft abbrichst
  • sie sagt dir, dass ausgerechnet du zu blöd/ zu … (Beleidigung hier einsetzen) dafür wärest
  • sie behauptet, es würde dich umbringen, dich selbst zu spüren

Meine Schallplatte war genauso

-mit der Betonung auf “war”. Wenn du lächelnd dran bleibst, wird die Schallplatte die neuen Erfahrungen tatsächlich aufzunehmen und dich irgendwann unterstützen statt beschweren. Du programmierst dich gerade neu! Ja, nur dadurch, dass du dir in der Pinkelpause gewahr wirst, DASS du atmest. Es ist nicht kompliziert. Du wirst keine schwierigen Übungen auf dieser Reise finden. Und du wirst niemanden sonst dafür brauchen. Nur dich selbst und deine Aufmerksamkeit. Die Schallplatte wehrt sich wie ein verletztes Tier gegen diese Einfachheit. Sie will lieber draußen weitersuchen (denn so findest du nie zu deinem Thron).

Perfektionismus ist eine Folge von Trauma

Viele von uns haben die Strategie entwickelt, alles ganz perfekt zu machen, in der Hoffnung die Reaktionen unserer Umwelt so beeinflussen zu können, dass man uns nicht bestraft. Perfektionismus ist eine direkte Folge von Trauma. Egal, wie der Verstand argumentiert(jemand muss es ja richtig machen / wo kämen wir denn hin, wenn alles nur so dahingerotzt wird, und so weiter). Ich lade dich dazu ein, diese Reise zurück auf deinem Körper-Thron so spielerisch wie möglich zu gestalten. Als würdest du ein Kleinkind dabei begleiten, seine ersten Schritte zu nehmen. Lasse dir nicht vom Plattenspieler etwas anderes einreden. Perfektionismus endet immer in Burn-Out und Abbruch. Wenn du merkst, dass die Schallplatte dich mobbt, weil du die “Übungen”* nicht “richtig” machst oder nicht “oft genug”, dann lächle und erinnere dich daran, dass du die Reise genussvoll gestalten möchtest.

Gestorben ist noch keine daran, dass sie sich wieder spürte (obwohl es sich so anfühlt)

Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass sobald dein Eingefroren-Sein durchs Spüren herausgefordert wird, Gefühle wieder auftauen, die du lieber nicht haben möchtest. Wenn du bewusst deinen Atem, deinen Körper spürst, fühlt es sich an, als würdest du von schweren Gefühlen übermannt. Ich verspreche dir aber, dass du nicht daran sterben wirst. Ich bin da selber durchgegangen. Es ist wie ein Horrorfilm. Dunkle Gefühle haben es einfach so an sich. Du wirst nur mehr Akzeptanz und Raum für diese “dunklen” Gefühle entwickeln und dadurch verlieren sie ihren Schrecken. Sie werden einfach dazugehören: zu dir und zum Leben. Du hast sie verständlicherweise irgendwann- um überleben zu können – eingefroren, weil man dir nicht beigebracht hast, wie es anders geht.

Was wir ablehnen und versuchen zu entkommen, hat Macht über uns. Die Strategie, unsere Gefühle einzufrieren und uns nicht zu spüren, hat uns hierher gebracht. Es ist Zeit, aufzutauen!

“Alle Gefühle sind willkommen”, DAS ist neu!

Wenn du wie ich bist, dann hast du lange nach “Heilung” gesucht. Du hast deine Traurigkeit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit und Angst ausgesprochen, therapiert, formuliert, prozessiert und dann verflucht. Du hast an dir gearbeitet, gearbeitet und dann ein bisschen mehr gearbeitet. Als Kinder wurde uns gesagt, wir sollen nicht traurig sein. Als Erwachsene, dass wir doch einfach glücklich sein sollen. Wenn wir uns in Gemeinschaften aufhielten, wo zum Beispiel Yoga oder Meditation gelehrt wurden, lernten wir wahrscheinlich, dass Zweifel und Wut “unspirituell” seien.

Die Energien in uns sind aber nur EINS: lebendig!

Der Versuch glücklich zu sein, macht sehr unglücklich. Er schneidet uns von der Hälfte unserer Lebensenergie ab. Der Versuch, die “niederen Gefühle” loszuwerden, schlecht zu machen, lässt uns weiter eingefroren sein (wie der Hase im Maul des Fuchses) lange nachdem das eigentliche Trauma vorbei ist. Du kannst nichts tun, um den Schmerz loszuwerden. Du besitzt das ganze Gefühlsspektrum – ob du es willst oder nicht – und es wäre geradezu dumm, den unteren Teil abzuspalten (abgesehen davon, dass es unmöglich ist): Wir werden in späteren Teilen dieser Reise sehen, wie viel Kraft in “Scheißgefühlen” steckt, und wie du sie für dich nutzen kannst.

Heilung ist eine irre Idee des Verstandes, der Schallplatte

Die Schallplatte/der Verstand, denken, dass Heilung ein Ziel und damit verbunden sei, etwas loszuwerden was unangenehm ist. So gesehen gibt es keine Heilung. Es gibt lustigerweise nichts loszuwerden. Es gilt nur dich daran zu erinnern, was Gefühle sind, wer du wirklich bist, und wo du verdammt noch mal diesen Köperthron versteckt hast (wahrscheinlich hinter der Kiste “ich bin nicht gut genug” oder “ich bin machtlos”).

Gefühle kommen, um von dir geHALTEN zu werden, nicht um geHEILT zu werden

“Die Gefühle kommen nicht, weil etwas mit dir nicht stimmt, sie kommen zu dir, um sich in deiner Welt auszuruhen. Sie fragen: “ist hier Raum? bist du groß genug? erinnerst du dich, wer du bist?” (sinngemäß von Jeff Foster “Wahre Heilung”). Es klingt verrückt, wie vieles, was gegen unsere Erziehung und kulturellen Konsens geht. Und genau deshalb lohnt es sich da zu graben…

Akzeptanz als Revolution

Den Schmerz nicht fühlen zu wollen, hat dich dahin gebracht wo du jetzt bist. Es ist Zeit, etwas neues, total Revolutionäres auszuprobieren, findest du nicht auch?  Akzeptanz und Verständnis gegenüber deinen “niederen” Gefühlen, darum geht es in dieser Woche. Die Bezeichnung “niedere/dunkle/ scheiß Gefühle” müssen wir zur Verständnis noch beibehalten, obwohl du erleben wirst, dass ebenjene Aufteilung in gute und schlechte Gefühle uns in die verfahrene Lage des Nicht-Spüren-Wollens gebracht hat. Niemand hat dir je beigebracht, dass du einfach mit einem Scheißgefühl sein kannst. Einfach sitzen und atmen und Verständnis haben mit so einem ekeligen Gefühl. Ohne etwas reparieren, therapieren oder wegmachen zu wollen.

Akzeptanz ohne etwas verändern zu wollen ist DER Schlüssel. Den du immer in der Hand hattest. Genau DEIN Schlüssel passt da rein, ist es nicht phantastisch?

-weiter atmen und wie ein Baby halten

In allen Büchern, die ich zum Thema Heilung las, ging es immer um SELBSTLIEBE. Ein Ziel, das viel zu weit weg ist, wenn man am Boden ist und nicht mal weiß, ob man morgen noch hier sein will. Ja, die Aufforderung nach Selbstliebe klingt nach einem Hohn. Sie kann zu einer weiteren Waffe werden, mit der die Schallplatte uns traktiert. “Selbstliebe? Nicht mal das kannst du!”

Akzeptieren bedeutet nicht “gut finden”

Akzeptanz für das Gefühl, was ich gerade jetzt akut habe, das ist leichter zu generieren als Selbstliebe. Akzeptanz heißt nicht, das ich das Gefühl gut finde, Gott NEIN! Ich hasse es! aber es ist meins und es ist jetzt hier. Niemand anders kann sich darum kümmern. Wenn ich es nicht tue, friert es ein, gesellt sich zur restlichen Tiefkühlkost in meiner Seele und macht noch mehr Unfug in meinem Leben. Also gut, ich atme weiter und umarme das Gefühl, weil es etwas ist, was ich NIE ausprobiert habe.

Und hier wird es magisch: ein Scheißgefühl geht schneller vorüber, wenn ich es in Akzeptanz hülle!

Nicht beurteilen, nicht beschimpfen, nicht reparieren, nicht therapieren, nicht wegdrücken. Ich erlaube dem Gefühl hier zu sein (weil es ja bereits da ist und Widerstand es nur schlimmer macht) und ich atme dabei, spüre meinen Körper und verlaufe mich nicht in Geschichten: Das ist der Schlüssel. Es braucht tägliche Wiederholung, um diese Umprogrammierung zu aktivieren. Deshalb nutzen wir wieder die Pinkelpausen. Der Anker zwischen “ich gehe zur Toilette” und “ich komme im Körper an” wollen wir weiter festigen. Wer eine Mädchen-Blase hat ist nun klar im Vorteil, denn so kann öfters geübt* werden.

In Deiner Haut: Das zweite Spiel*

 Jedes Mal wenn du diese Woche auf Klo gehst spürst du bewusst für 3 Atemzüge lang die Atmung. Atme tiefer, als je zuvor, bis in die Zehenspitzen, bis in die Krone des Kopfes. Dabei fühlst du, wie dein Körper sich anfühlt. Wo ist Schmerz, wo ist Wonne, wo ist Anspannung, wo ist es warm. Nur ein kurzer Check, wie die Lage ist. Beurteile nichts und lasse dich nicht in irgendwelche Geschichten verwickeln. Wenn gerade etwas stressig ist und das Gehirn lieber darüber nachdenken will, dann sage liebevoll aber bestimmt: „Ich will jetzt 3 Atemzüge lang spüren, was ich im Körper wahrnehmen kann. Danach kannst du wieder durchdrehen, liebes Gehirn!“.

Das ist alles für diese Woche! Wenn du Bock auf mehr hast, dann mache noch so oft, wie du magst einen Bodyscan. Ich verlinke unten eine superschöne Version als Audio-Datei für dich.

Komm nächste Woche gerne zurück für Teil 3 unserer gemeinsamen Reise.

Liebe Grüße von Michelle

*ich mag nicht mehr üben. Das gehört zum alten Paradigma, wo wir an uns arbeiteten und scheiterten

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