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In Meiner Haut (Teil 3)

Zu Hause im Körper Sein

“Jippiiii, Du bist!”

So oder so ähnlich würde unser Körper frohlocken, hätte er eine Stimme. Er drückt seine bedingungslose Liebe durch den Herzschlag, die Atmung und all seine Funktionen aus, die dir und mir erlauben, überhaupt auf dieser Erde zu wandeln. Die bewusste Kontaktaufnahme mit dieser Liebe hilft nicht nur durch schwere Zeiten, sondern öffnet einen Spalt in unserer Wahrnehmung, weg von Fokus auf Problemen, hin zu unserer Kraft.

In meinen Yoga-Kursen für psychisch kranke Frauen war es mir besonders wichtig, die immer verfügbare stille Liebe des Körpers präsent zu machen. Nicht selten gab es Tränen. Nicht immer vor Rührung oder Dankbarkeit. Eine sehr junge Frau schluchzte: “was soll ich mit dieser Liebe anfangen, ich will doch nicht mal leben”. Ähnlich geht es Menschen, die eine schwere Erkrankung haben: “ich soll für die Behinderungen, die Schmerzen, für diese Scheiße dankbar sein?”.

Meine klare Antwort: Nein! ich will auf gar keinen Fall die alten Undankbarkeits-Floskeln aufkochen “sei dankbar, dass du am Leben bist/ überhaupt einen Körper hast/ du bist ja besser dran als X/Y/Z, der Krebs im Endstadium hat”.

Dankbarkeit, die einem aufgezwungen wird, ist der Express-Fahrstuhl hinunter in sehr dunkle Gefühle und/oder sie verstärkt bereits vorhandener Taubheit. Im Körper beheimatet zu sein – und so auch dem Herzschlag, der Atmung Fokus zu schenken – birgt Kraft in sich, die wir benötigen, um in dieser Welt erhaben zu navigieren. Kraft, um uns aus der “Kaninchen-stellt-sich-tot-Haltung” zu befreien. Die Liebe, die Kraft des Körpers zu spüren legt aber auch Widerstände frei und provoziert unsere Annahme, wir seien nicht würdig.

Dein Herz schlägt seit der 5. Schwangerschaftswoche nur für dich!

-also seit dem 22. Tag 22 Mutterleib. Nur für dich! Es sind keine Verwechslungen passiert, es sind nicht die Herzschläge von jemand anderem, du nimmst niemandem etwas weg: Der heilige Sound deines Herzen ist für dich bestimmt. Und es wird keine Dankbarkeit von dir erwartet. Dein Herz schlägt weiter, auch wenn du deinen Körper und das Leben gerade hasst. Egal, ob du je einen dankbaren Gedanken für deinen Körper übrig hattest, oder nicht. Dein Herz schlägt, weil du würdig und geliebt bist. Dein Wert ist nichts, was du bestimmst. Es ist nichts, was andere bestimmen können. Gott sei Dank! (sonst wäre ich längst weg vom Fenster).

Du musst es nicht feiern

-und schon gar keine erzwungene Dankbarkeit für das Wunder des Lebens, das du bist, empfinden. Der Weg war hart, die Versuche zu viele, die Enttäuschungen zu groß, die Traumen zu eng getaktet, um jetzt aufgrund des Herzschlags in Ekstase zu verfallen. Alleine deine Wahrnehmung, dein Fokus darauf wird dich mit deiner Kraft verbinden. Dein Fokus ist ein mächtiges Werkzeug. Dazu kommen wir noch in späteren Teilen dieser Reihe. Du musst absolut nicht gut finden, WIE dein Körper/ dein Leben ist. Aber du kannst die Tatsache akzeptieren, DASS du existierst. Die Akzeptanz hebt dich aus dem “KÄMPFEN-ODER-FLIEHEN-ODER-TOTSTELLEN”-Modus heraus- und das ist entscheidend.

Akzeptanz bedeutet nicht gut finden. Akzeptanz bedeutet Waffenstillstand und die Einsicht ” Widerstand gegen Gefühle, Ereignisse, Menschen oder Dinge stressen mich so sehr, dass ich den Kontakt zu meinem Körper, zu meiner Kraft verliere. Ich wähle daher eine Haltung, die im kompletten Widerspruch zu dem steht, die ich bisher aus Gewohnheit eingenommen habe”.

Akzeptanz wurde uns nicht gelehrt. Es ist etwas, was wir nach jahrelangem Kampf  in unserem Rucksack entdecken, wenn wir kapitulieren. Akzeptanz bedeutet nicht, Missbrauch zu dulden oder in einer Situation zu bleiben, die für dich schädlich ist. Wenn du dich aber in Sicherheit gebracht hast, ist Akzeptanz die ermächtigende Antwort auf den Geist, der die Ereignisse nicht loslassen kann und dich so im Stressmodus festhält.

Widerstand ist wie Sekundenkleber: es bindet dich an das, was du eben nicht haben willst. Und zwar sehr, sehr fest und sehr, sehr lange. Die Lösung ist immer Akzeptanz

In Deiner Haut: Das dritte Spiel*

Du kennst es ja: wir nutzen weiterhin die Toilettenpausen, weil es wahrlich das stille Örtchen ist, wo wir mal Zeit für uns haben. Durch die Verknüpfung mit der Tätigkeit, stellen wir sicher, dass die Körperwahrnehmung langsam aber stetig zu einer starken Gewohnheit wird.

Lasse dich dabei nicht in irgendwelche Geschichten vom Verstand verwickeln. Wenn das Gehirn rattert, dann sage freundlich aber bestimmt “liebes Gehirn, ich will 3 Minuten lang mit dem Körper sein, danach höre ich dir und deinen wahnsinnig wichtigen Erörterungen zu”.

Also hier ist das Spiel für diese Woche: Jedes Mal, wenn du auf Klo gehst, atmest du erst bewusst für EINEN tiefen Atemzug. Dann hältst du den Atem so lange an, wie du nur kannst. Und wenn du dann keine Wahl mehr hast, als zu atmen, spürst du diesen Moment, bevor du beatmet wirst. Ja wovon eigentlich?  Lege dann die Hände auf dein Herz. Spüre 3 Atemzüge lang deinen Herzschlag. 

Das ist alles für diese Woche! Wenn du Bock auf mehr hast, dann ist unten eine kleine Visualisierungs-Anleitung. Du kannst sie dafür nutzen, Akzeptanz spielerisch zu erfahren.

Komm nächste Woche gerne zurück für Teil 4.

Liebe Grüße von Michelle

*ich mag nicht mehr üben. Das gehört zum alten Paradigma, wo wir an uns arbeiteten und scheiterten

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