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In Meiner Haut (Teil 5)

Zu Hause im Körper Sein

Ich bin dann mal weg! Nach der Panik in den Körper ankommen

Du hast seit letzter Woche mehrmals täglich nachgespürt, wo du dich auf der Emotionalen Skala befindest

Die Übung* von Modul 4 lautete: jedes Mal, wenn du eine Klo-Pause machst, schaust du auf die emotionale Skala (in Teil 4) und bestimmst, wo du dich am ehesten befindest. Ohne die dazugehörige Geschichte, aber mit ganz viel Akzeptanz. Wenn es dir nur einmal am Tag eingefallen / gelungen ist: Das macht nichts, denn wir werden diese Woche genau das Gleiche üben*.

Weil die Welt uns leider nicht verschont, während wir üben*, geht es heute  um ERSTE HILFE BEI PANIK

Ersetze gerne Panik mit “getriggert werden”, im Ausnahmezustand sein, oder wie auch immer DU diesen Zustand nennst, der dir den Boden unter den Füßen wegzieht. Es sind Ereignisse, wo kein Millimeter Abstand zwischen dir und der Geschichte besteht. Dein Verstand und dein Körper bewerten das Geschehnis als Lebensbedrohlich (egal, was die Logik als Gegenargumente parat hat). Das Gefühl der Panik kapert dein Gehirn, du bist meist nicht mehr IM Körper, sondern höchstens im Kopf und vielleicht noch im Hals. In den Modulen 1 und habe ich thematisiert, warum das für uns so ungünstig ist. Aber was kannst du tun, wenn du dich in einer Panik-Situation befindest?

Angst und Panik: Kopflastigkeit ist sinnvoll

Wenn du eine Panikattacke erlebst, ist dein Schwerpunkt nicht mehr im Becken, sondern im Hals/Kopf oder sogar über deinem Kopf. Du bist wortwörtlich leicht umzuhauen und ein Match mit einem Kampfsportler wäre jetzt eine wirklich schlechte Idee. Wegrennen und sogar durch Stacheldraht laufen wäre hingegen gar kein Problem: du spürst deine Beine ehe nicht, es ist niemand zu Hause im Körper. Wenn es aber jetzt nicht sozial verträglich wäre, wegzulaufen, musst du bald deinem Körper signalisieren (wenn du zum Beispiel auf die Toilette verschwinden kannst), dass die Gefahr vorüber ist.

Nur im Körper bist du wieder im Besitz deiner Fähigkeiten

Je eher es dir gelingt, wieder den Körper einzunehmen, desto schneller hast du wieder Zugang zu deinen Erfahrungen UND deiner Weisheit. Wenn Adrenalin deinen Körper weiter regiert, bist DU einfach nicht ganz DU. Tiere haben es leicht: Ihr Verstand erzählt ihnen keine gruseligen Geschichten: Wenn eine Gefahrensituation vorüber ist, schütteln sie sich und widmen sich dem Fressen. Das Schütteln täte uns auch gut. Adrenalin wird nur durch Bewegung abgebaut.

Shake it Baby!

Also schüttele dich! Ja, richtig physisch! Nicht nur darüber nachdenken, sondern TUN. Schüttele jedes Glied in deinem Körper. Wenn du den Luxus hast, in deinen eigenen 4 Wänden zu sein, dann tanze. Mindestens 3 Minuten lang. Und ich meine keinen Walzer, sondern wilden Ausdruckstanz. Finde dann eine Stelle im Körper, die du nun besonders gut wahrnimmst. Nutze diese besonders gut wahrnehmbare Stelle, um  in den Körper zu steigen, egal ob durch den Ellenbogen, dein Knie oder dein Herz: Halte deine Hände auf dein Herz und sage zum Verstand “genug Gruselgeschichten, STOPP” und fühle, wie diese starke Energie im Kopf hinunter zum Herzen fällt, wie eine schwere Tasche.

Sage laut zu dir “es ist jetzt vorbei, das war wirklich beängstigend und ich danke dir, liebes Gehirn, dass du so gut auf mich aufpasst, dass du mich sogar aus dem Körper herausholst, mich schmerzunempfindlich machst.  Jetzt will ich wieder zu Hause im Körper sein und Zugang zu meiner Erfahrung und Weisheit haben, ich passe jetzt auf uns auf”.

Ablehnung von deiner Angst ist ein sicherer Weg, sie für lange Zeit an dich zu binden. Trost, Verständnis und Akzeptanz lässt sie leicht und flügge werden

Sex, Drugs, Chocolate & Bingewatching: Ablenkung hilft auch nix

Nach der Panik tauchen Gefühle wie Scham, Wut, Müdigkeit und viele mehr auf. Oft ist man nach einer Panik-Attacke so erschöpft, dass man sich einfach ablenken oder betäuben möchte. Scheiß-Gefühle gehen aber so nicht weg, sondern kleben dadurch eher stärker an dir. Sie haben Ausdauer und warten so lange, bis du wieder klar im Kopf bist. So oder so werdet ihr euch zusammen setzen müssen. Und Scheiß-Gefühle werden dooferweise auch mit der Zeit immer übelriechender.

Setze dich zu den Scheiß-Gefühlen auf die Couch. Sei still und fühle einfach nach. Du bist diejenige, auf die sie gewartet haben. Tröste sie, als wären sie geliebte Kinder. Das wird den Unterschied machen: Du gibst ihnen, was DU als Kind gebraucht hättest. Das ist Magie, meine Liebe.  

Erinnerung: DER SCHNELLSTE WEG AUS EINEM SCHEISS-GEFÜHL HERAUS FÜHRT IN EBENDIESES SCHEISS-GEFÜHL HINEIN

Unserer Sehnsucht

Wenn wir lange mit Angst und Panik zu tun hatten, möchten wir nur zwei Dinge:

  • weniger fühlen oder

  • uns besser fühlen

Weniger fühlen wird in diesem Leben als Mensch nichts. Selbst die besten Schmerzmittel, die potentesten Drogen haben irgendwann ein Ende ihrer Fahnenstange. Sie wirken einfach nicht mehr. All unsere Strategien, um uns besser zu fühlen haben ihre Grenzen. Sonst würde ich diese Zeilen nicht schreiben, und DU sie nicht lesen. Wir haben anscheinend alles versucht.

MEHR zu fühlen haben wir nie in Betracht gezogen. Niemand hat es uns als Möglichkeit aufgezeigt. Sicher, wir sind zu unseren Therapeuten gegangen und REDETEN über unsere Gefühle. Aber wirklich mit ihnen zu sein und sie still und akzeptierend wahrzunehmen, das haben wir noch vor uns.

In Deiner Haut: Das 5. Spiel* (identisch mit Modul 4)

Jedes Mal, wenn du diese Woche eine Klo-Pause machst, atmest du 3 mal tief ein und aus. Dann fühlst du nach, welches Gefühl gerade vorherrschend ist. Bist du müde, unsicher, traurig, gestresst, mutig, inspiriert, fröhlich? Wo befindet das Gefühl sich ungefähr auf der emotionalen Skala?

Akzeptiere das Gefühl, weil es deins ist und weil es da ist und weil du jetzt weißt, dass genau DAS ihm erlaubt, sich nach oben zu bewegen. Lasse dich nicht in irgendwelche Geschichten darüber WARUM du dich so fühlst. Das ist nicht förderlich.

Fühle stattdessen neugierig, WO du dieses Gefühl, was gerade da ist IN deinem Körper spüren kannst: Drückt es im Hals? Ist der Bauch verkrampft? Die Brust eng? Kribbelt es im Herzen? Meistens sind die Gefühle im Kopf, Hals, Brust, Bauch oder Becken. Hier wirst du immer fündig. Fühle einfach WO und WIE es sich im Körper anfühlt, dieses Gefühl zu Besuch zu haben und

  • lege wirklich physisch deine Hände auf diese Stelle des Körpers, wo du das Gefühl am stärksten spürst (wenn du es nicht weißt, lege deine Hände aufs Herz)

  • atme dabei tief

  • und setze ein Mona-Lisa-Lächeln auf (das schickt ein Signal an dein parasympathisches Nervensystem, dass du dich nicht in Gefahr befindest)

  • Denk dran: Du willst das Gefühl nicht verändern, reparieren, heilen, analysieren oder verjagen. Einfach da sein lassen. Ist ja ehe da…

Zusätzlich lade ich dich ein, abends ausdruckstänzerisch 3-4 Minuten zu deinem Lieblingslied abzuhotten. Wenn ich wütend bin, nehme ich “Killing in the name of” von Rage against the Machine. Wenn ich mich schäme spiele ich Radiohead “Creep”. Björk muss herhalten, wenn ich überfordert bin. The Beatles “Blackbird”, wenn ich mich liebe. Und so habe ich eine lange Playlist, die für die ganze emotionale Skala reicht. Gib deinem Körper die Chance, das Adrenalin anzubauen und zur Ruhe zu kommen.

Komm nächste Woche gerne zurück für Teil 6, wo wir uns viel mehr mit der emotionalen Skala beschäftigen werden!

Liebe Grüße von Michelle

*ich mag nicht mehr ÜBEN. Das gehört zum alten Paradigma, wo wir an uns arbeiteten (und scheiterten), aber ich habe auch kein neues Wort, das uns alle abholt…

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