Project Description

In Meiner Haut (Teil 6)

Zu Hause im Körper Sein

Die emotionale Skala als Wegweiser nach Hause nutzen

Gefühle sind meine wertvollsten Wegweiser

In Modul 4 habe ich die emotionale Skala nach Lola Jones gezeigt. Sie ist so wichtig, dass sie hier gleich wieder kommt. Sie ist sogar so wichtig, dass ich sie im Portemonnaie, am Spiegel UND hinten am Telefon rangeklebt habe, damit ich jederzeit einschätzen kann, wie sehr ich bei mir bin und in welche Richtung ich gehe.

Warum wir in einem System leben, das zutiefst daran interessiert ist, dass wir eben NICHT im Körper sind, unsere Gefühle nicht spüren, dass führt hier zu weit. Ich empfehle aus vollem Herzen Alice Miller “du sollst nicht merken”.  Es ist meiner Meinung nach ihr wichtigstes Buch und für mich persönlich eins der TOP 5 Werke, die mir geholfen haben, zur Selbstbestimmung und Eigenmacht zu gelangen. Aber hier soll es nicht um die Ursachen gehen, sondern um Lösungen. Und es führt keinen Weg um das Fühlen herum, wenn ich wieder den Körper bewohnen möchte.

In meiner Haut die Skala der Emotionen

Remember: Es gibt keine schlechten Gefühle, es ist alles die gleiche Lebens-Energie, nur schwingt Angst viel langsamer und schwerer als Mut. Jedes “niedere” Gefühl hat das Potenzial, sich zur Glückseligkeit hoch zu schwingen!

Die emotionale Skala: WUT tut GUT

Ich durfte in meiner Erziehung keine Wut zeigen. Später – im erwachsenen Leben – kam es auch schlecht an. Ich kannte nur Wut als eine destruktive Kraft, die sich gegen jemanden ( meist mich) richtet und Schmerzen verursacht. Aber ohne Wut gibt es kein Entkommen aus der Opferhaltung. Das Kaninchen braucht Wut, um aus der Starre zu erwachen (um in der Bildsprache von Modul 1 zu bleiben).

Wut ist eine Brücke, kein Ort, um die Zelte aufzuschlagen

In der Skala siehst du, dass Wut für sich alleine steht, mit dem Zusatz “jetzt kommt Bewegung rein”. Wut ist wie eine Luftbrücke, die mich aus Angst/Depression herausholt. Sie bringt mir jetzt sogar Spaß und ich genieße sie richtig, weil sie mir viel Energie gibt und alles Unnütze in ihrer Gegenwart abfackelt.  Sie ist die Energie von “No more Bullshit”. Das einzige, was ich gerne früher gewusst hätte: Bleibe nicht ewig bei ihr stehen: Sie ist eine Brücke, kein Ort zum bleiben.

Wut ist für mich sehr intim & für das stille Kämmerlein

Ich hätte bezüglich der Wut auch gerne früher gewusst, dass ich die Wut ohne “Schuldige”, ohne Geschichte spüren sollte. Ich tanze sie, atme sie, ich boxe Kissen und Schatten, aber ich gehe nicht mit der Wut auf Menschen los, auch nicht auf mich selbst. Es sei denn, es besteht Gefahr für Leib und Leben. Dann nur zu. Da ist sie eine mächtige Waffe. Ich verbringe Zeit mit ihr und genieße sie, bringe ihr Wertschätzung entgegen und erlebe, wie sie sich dadurch zu wohliger Müdigkeit oder sogar Hoffnung hochschwingt. Erst dann gehe ich wieder in Kontakt mit anderen Menschen.

Wut als Stoppschild für destruktive Geschichten des Verstandes

Ich nutze jetzt auch oft die Wut, wenn der Verstand mich “fertig macht”. Wenn ICH fühlen will, er aber seine “Geschichten” dazu loswerden will. Geschichten, die er mir seit Jahrzehnten erzählt (“ich, die Welt und die anderen sind nicht in Ordnung”) und die mich traurig oder gar taub machen. Wenn ich merke, dass alte Geschichten mich mitnehmen, sage ich laut “STOPP” und werde wütend auf den Verstand. Ich behandele ihn, als sei er ein unerzogener Hund, der mir in die Bude pisst. Dieser blasenschwache Hund kann einfach nicht mehr mein Leben verpesten. Er wird mit mir leben, ich mit ihm, wir werden einander nicht los, aber er muss sich benehmen. Und ich bin die einzige, die ihm das klar machen kann.

Akzeptanz ist immer meine angestrebte Reaktion

Egal welches Gefühl mich “heimsucht”, ich akzeptiere, dass es da ist (denn Widerstand erzeugt Widerstand, Akzeptanz löst auf) . Und ich kann aus Erfahrung sagen: mit dieser sanften Einstellung zeigt sich in jedem noch so schlimmen Gefühl ein Schatz. Und sei es “nur” Frieden. Und noch ein Bonus: Ich habe keine Angst mehr vor Gefühlen, nicht mal vor der tiefsten Depression: Ich weiß ja jetzt, dass auch sie sich nach oben bewegt, wenn ich sie lieb umsorge wie ein Baby, mit ihr fühle, und dabei den Körper neugierig wahrnehme. Wenn ich keine Angst mehr vor den “niederen” Gefühlen habe, haben sie keine Macht mehr über mich. Das, was ich akzeptieren kann, herrscht nicht über mich. Akzeptanz ist auf der emotionalen Skala wortwörtlich der Wendepunkt. Von dort geht es schnell weiter aufwärts!

Jippiii, ich bin frustriert

Die emotionale Skala gibt mir eine ganz neue Sicht auf Gefühle, die ich früher nur als “unerwünscht” klassifiziert hätte. Zum Beispiel Frustration und Ungeduld. Früher hätten sie womöglich eine negative Spirale ausgelöst (hier kann sich nämlich schnell eine Geschichte einschleichen und fragen auftauchen, wie “warum immer ich” oder “nie kriege ich, was ich will”). Aber heute schaue ich auf die Skala und jubele: “Yeahhh, ich bin frustriert! Das ist gar nicht so weit vom Wendepunkt entfernt, bald geht es rasant aufwärts”. Frustration ist mega-hoch auf der Skala. Die Anerkennung und das Wertschätzen von der Frustration gibt dann noch mehr Aufwind.

Die Skala ist meine Karte, Navigationsinstrument und Frühwarnsystem zugleich

Die emotionale Skala ist super, um mich daran zu erinnern zu fühlen (und zwar mit dem ganzen Körper). Sie erinnert mich täglich an die Wichtigkeit der Akzeptanz, dem Nutzen der Wut und dass die ganze Skala wichtig ist. Es soll sich scheiße anfühlen, wenn ich mich verlasse. Es soll sich scheiße anfühlen, wenn ich mich ablehne und unwürdig fühle. Es soll sich scheiße anfühlen, keine Hoffnung mehr zu haben und nichts mehr im Körper wahrzunehmen, außer Unwohlsein und schmerzen.

Alles wieder fühlen: keine Chance für Raubtiere

Je mehr ich mich mit der Skala beschäftige – und somit mit meinem Innenleben – desto mehr spüre ich aber auch den sekundären Nutzen von ihr: Wenn ich jetzt “draußen im Leben” plötzlich ein “Scheißgefühl” habe, dann merke ich das und nehme es ernst und reagiere darauf. Wie geil ist das denn? mir selbst und meinen Gefühlen so ernst zu nehmen, dass ich Warnsignale empfange, die mich vor “Arschlöchern”/ “Scheißsituationen” bewahren? All zu viele Missbrauchsopfer haben diese Fähigkeit früh ersticken müssen, um zu überleben. Es ist so wahnsinnig schön zu fühlen, dass sie wieder da ist. Die berühmte Opfer-Haltung lockt nun keine Raubtiere mehr an!

Wie ich in der Praxis mit der Skala navigiere

Ich habe genau so angefangen, wie ich es in den Modulen 1-5 beschrieben habe, und ich setze es genau so fort: Jede Klopause wird für 3 tiefe Atemzüge genutzt gefolgt von einer Einschätzung, wo ich mich auf der emotionalen Skala befinde, wie & wo sich das Gefühl im Körper manifestiert, sowie Akzeptanz, DASS es so IST. Das Fühlen ist meine vornehmste und wichtigste Aufgabe. Mein Leben hat sich radikal verändert, seit ich fühle UND diese Gefühle -wie “niedrig” oder “hoch” sie auch sein mögen – mit Akzeptanz überflute. Es fühlt sich an, als würde mein Körper erst durch diese “Arbeit”* begreifen, dass ich in Sicherheit bin und zu leben anfangen kann.

So mies bin ich immer drauf? Wenn spüren Unangenehmes freilegt

Anfangs war es frustrierend (siehe “jippiii ich bin frustriert” 😉 zu fühlen, dass meine “Default Schwingung” (“Standard-Einstellung”) die einer negativen Erwartungshaltung war (“bald passiert was Schlimmes”. Ich tröste mich damit, dass es 40 Jahre lang halt so war und dass wir uns beide langsam daran gewöhnen müssen, dass Bewegung in die Sache kommt. Die automatisierte Schwingung wurde halt über Jahrzehnte eingeübt und gepflegt und hat ihren Nutzen gehabt (Selbstschutz). Es braucht Zeit. Auch hier ist die Lösung: Akzeptanz & Wertschätzung & Verständnis.

Ich kann entweder in der Geschichte…oder im Körper sein

Mein Verstand möchte lieber darüber nachdenken wie ich mich gerade fühle, als tatsächlich Raum für das Spüren zu geben. Es ist anfangs kaum zu unterschieden “denke ich gerade über das Gefühl nach, oder fühle ich es wirklich”. Es wird aber jeden Tag einfacher! Ich kann entweder im Kopf sein oder im Körper. Beides zusammen geht nicht. Daher ist es für mich immer hilfreich, regelmäßige Bodyscans zu machen. Ich stelle mir Fragen, wie “spüren meine Füße, dass ich atme? wie weit bis in den Nacken kann ich meinen Atem spüren?” oder lege physisch meine Hände aufs Herz (oder irgendeinen Körperteil). Sobald die Worte im Kopf aufhören, weiß ich: Ich habe die Geschichte fallen gelassen. Und dann lächle ich, weil es meinem Nervensystem signalisiert, dass alles gut ist!

In Deiner Haut: Das 6. Spiel*

In dieser Woche geht es weiter mit dem 5. Spiel (jede Klopause nutzen, um

  • tief zu atmen
  • fühlen wo du auf der emotionalen Skala dich befindest
  • WIE und WO sich das im Körper bemerkbar macht
  • und diesem Gefühl mit Akzeptanz fluten
  • Dazu Hände aufs Herz und wie die Mona Lisa lächeln. (Falls es sich wie eine wirre Geschichte liest, dann gehe zurück zu Modul 5 und lese dir nochmals “das 5. Spiel” durch)

Zusätzlich wirst du dich mit allen Gefühlen auf der emotionalen Skala wieder anfreunden. Nicht, indem du darüber nachdenkst…sondern indem du sie TUST, also tanzt! Yes, richtig gelesen. Im Idealfall hast du vor dir die emotionale Skala aufgehängt und eine Playlist mit deiner Lieblingsmusik. Gerne aufgeteilt in “traurig, wütend, müde, fröhlich und  Liebe”. Depression tanzt sich wunderbar zu Nirvana, aber nicht so gut zu Gospel Musik.

Und dann fängst du an die Depression zu tanzen/ auszudrücken. Vielleicht liegst du nur auf dem Boden und kannst dich noch nicht rühren. Stell dir vor, du wärest eine Schauspielerin und würdest nun körperlich diese Schwingung ausdrücken. Bleibe nicht länger als 2 Minuten bei jedem Gefühl, dann geht es weiter mit z.B. Angst, dann Trauer, dann die WUT (ganz wichtig! nicht überspringen), überwältigt sein, Akzeptanz, Neugierde, Begeisterung und zuletzt Liebe/ Freiheit. Wenn du Zeit hast, kannst du auch jede einzelne Schwingung auf der Skala “tanzen” und nicht nur diese Auswahl. Zum Schluss legst du dich 2 Minuten hin. Ohne Musik, ohne dich zu bewegen und spürst einfach nach!

Mache das mindestens 3mal diese Woche. Es entrostet deine emotionale Flexibilität und hilft so sehr, dich mit ihnen allen wieder anzufreunden.

Das ist alles für diese Woche!

Liebe Grüße von Michelle

*ich mag nicht mehr ÜBEN. Das gehört zum alten Paradigma, wo wir an uns arbeiteten (und scheiterten), aber ich habe auch kein neues Wort, das uns alle abholt…

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