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In Meiner Haut (Teil 7)

Zu Hause im Körper Sein

Den inneren Dialog zu deinem Vorteil steuern

Was hat der innere Dialog mit “nicht im Körper sein” zu tun?

“Nicht im Körper sein” und Totstellreflex sind Antworten auf Trauma. Wer Traumata und/ oder Missbrauch in der Kindheit erlebt hat, hat fast immer einen inneren Dialog (wohl eher Monolog), der ihn auch im Alltag “niedermacht”, der die immergleichen negativen Themen wiederkäut und sehr gruselige Geschichten erzählt. Ohne es zu merken (weil dieser “Plattenspieler” uns nie eine Pause gegönnt hat), hält der innere “Laberer” uns in Angst und Bange. Und sehr wahrscheinlich davon ab, ganz im HIER und im JETZT und IM KÖRPER zu sein.

Während ich das hier schreibe, läuft bei mir ein unangenehmer innerer Monolog ab

Ich kenne mittlerweile alle Geschichten, die mein Verstand so liefern kann. Was früher zu Panikattacken geführt hätte (weil ich der Geschichte geglaubt hätte), kriegt mich nicht mehr so lange und so dolle. Jede(r*) hat wohl gerade in diesen Pandemie-Zeiten etwas, das sie/ihn* triggert und genug “Futter” für den Verstand gibt, das der ordentlich durchdrehen kann. Die Massenmedien sind voll mit Panik-Stoff, falls einem selbst nichts mehr einfällt. Ich werde in diesem Teil 7 teilen, wie ich mit solchen inneren Dialogen umgehe und generell gelernt habe, meinen Verstand so zu fokussieren, dass er mich unterstützt und nicht zerfleischt.

Der Körper fühlt. Der Verstand denkt nur mit Worten über das Gefühl nach und erfindet Geschichten dazu

Die Entscheidung, dass der Verstand mich nicht mehr in Angst & Bange hält

Ich habe vor 1 Jahr die Entscheidung getroffen, dass der “Plattenspieler” (so nenne ich den Verstand, wenn er die alte Leier (in neuer Verkleidung) mich nicht mehr beherrschen darf. Ich habe den Schaden gesehen, den er anrichtet. Ich hatte genug! Wenn der Plattenspieler so gut darin ist, Scheiß-Geschichten zu erzählen, dann könnte ich ja wohl – nach 43 Jahren Leiden – ihn mal bitten, zur Abwechslung mal nur gute Geschichten zu erfinden. Ich lasse mich nicht mehr von ihm beherrschen. Ich behandele ihn wie einen untrainierten Hund: Solange er mir in die Bude pinkelt, muss er draußen bleiben. Ich nutze die Wut und rufe laut “STOPP”, wenn ich merke, dass er in eine negative Richtung läuft.

Die Programmschleife im Gehirn: wo ist der Stopp-Knopf?

Der Plattenspieler (der Verstand) liebt hoch-dramatische Geschichten ohne Lösung, die er ewig wiederkäuen kann. Und er hört nicht von alleine auf. Sollte ein Problem – sehr zu seiner Unzufriedenheit – gelöst werden, dann sucht er sich das nächste Thema. Seine Verkleidungen, Bühnenbilder und Statisten sind unerschöpflich. Die Art und weise, WIE furchteinflößend und fies der innere Dialog ist, hängt davon ab, wie deine wichtigsten Bezugspersonen mit DIR und SICH umgingen. Je fieser der Plattenspieler, desto mehr leiden wir unter Stress und darunter “nicht verkörpert” zu sein.

Fokuswechsel durch “Knochen-Fragen”

Aber der Plattenspieler liebt auch “Knochen-Fragen”. Er braucht was zu tun, sonst pinkelt er nicht nur in die Bude, sondern frisst auch deine Schuhe.  Knochen-Fragen sind positive Fragen mit offenem Ausgang also der Gegenspieler zu “warum passiert es nur mir”, oder “warum bin ich so ein Idiot”. Darin haben wir viel Übung. Nun kehren wir sie um und beobachten, wie der Plattenspieler fröhlich zu kauen beginnt. Eine Knochen-Frage wäre zum Beispiel “was wäre, wenn alles doch gut geht?”, “wie könnte ich mich nur ein kleines bisschen besser fühlen?”, “was wäre, wenn ich doch nicht unter der Brücke lande?”, “wie kann ich gerade gut für mich sorgen?”, “wie schön wäre es, hätte ich diese Hürde bereits gemeistert?”.

Das Negative mit Positivem ersetzen

Ich habe 40+ Jahre lang negative Botschaften über mich immer und immer wieder mir selber vorgespielt. Dann hatte ich genug. Seitdem ersetze ich jede Scheiß-Botschaft mit einer positiven. Ich habe (sehr spät) angefangen, die liebevollen Eltern für mich zu sein, die ich nie hatte. Wenn mein Plattenspieler mich zerfleischen oder ängstigen will, halte ich inne und lobe mich stattdessen. Ja, es fühlt sich anfangs fremd und falsch an. Aber es tut irgendwann gut. Das innere Kind ist erstmal misstrauisch, erkennt aber irgendwann die neue GÜTE und genießt es. Das motiviert mich, weiterzumachen. Es fühlt sich an, als hätte mein inneres Kind ein ganzes Leben darauf gewartet, dass ICH es wertschätze, akzeptiere und beruhige. Regelmäßig kommen mir die Tränen, weil es WIRKT!

Die Weichen stellen für einen unterstützenden inneren Dialog

Wenn es noch ein zu großer Schritt ist, dich selbst mit Liebe und positiven Botschaften zu überschütten (was ich durchaus nachvollziehen kann), dann empfehle ich zunächst diese Methode von Ethan Kross (aus seinem Buch “Chatter”) :

Achte auf distanzierte Selbstgespräche in dritter Person.

Wenn du statt “ich schaffe die Deadline nicht” deinen Namen nutzt, also “Peter scheint Probleme mit dem Abgabetermin zu haben”, dann erschaffst du einen neutralen Beobachter, der dich weniger stresst.  “Ich”-Sätze sind Marker negativer Emotionen, deinen Namen zu benutzen löst etwas Beruhigendes, Zentrierendes aus

Und übe dich schon jetzt darin, “STOPP” zu brüllen, wenn die Negativschleifen dich in den Wahnsinn treiben. Es ist Zeit, wütend zu werden. Darüber, dass diese Schleifen des Plattenspielers sinnloserweise die Schmerzen am Leben halten, die dich einst so sehr verletzt haben, wie niemand anders seitdem. Du weißt ja jetzt, dass Wut die Brücke ist, die dich vom Opferdasein in deine Kraft katapultiert.

Zurück in die Zukunft: das gute alte ICH

“Das gute alte Ich” ist dein ich in der Zukunft. Die, die es geschafft hat und nun weise und liebevoll auf dich schaut und gute Ratschläge gibt. Klingt verrückt? Einstein sagte, es gäbe keine Zeit. Also könnte es doch sein, dass du unmittelbar JETZT Kontakt mit dieser coolen Version deiner Selbst aufnehmen könntest? Selbst wenn es nach Humbug klingt, lasse dich für die Wochenübung* auf das Experiment ein: Was würde die 80-jährige Version von dir sagen? Wie würde sie auf deine Schwierigkeiten jetzt blicken? Worauf wäre sie stolz? Was würde sie sagen, sei wichtig im Leben?

In Deiner Haut: Das 8. Spiel*

Bleibe bei der “PINKELPAUSE-ÜBUNG*” aus den Modulen 1-6 und schaue regelmäßig, wo du dich auf der emotionalen Skala befindest. Werde eine Meisterin darin, jedes Gefühl zu akzeptieren und willkommen zu heißen.

Beobachte deine inneren Dialoge, deinen Plattenspieler. Wie spricht er mit dir? Um welche Themen geht es? Welche Themen kriegen dich sofort? Wie oft geht es darum, dass DU nicht gut genug bist? Wie oft geht es darum, dass die anderen dich enttäuschen? Wie oft geht es darum, dass die Welt böse ist? Wie oft geht es um die nackte Existenz (Leben und Tod und das liebe Geld)?

Übe* dich darin, mindestens 5mal am Tag das “ICH” mit deinem Namen zu ersetzen, Also statt “ich bin pleite”…”Nicole erlebt finanzielle Herausforderungen”. Trainiere deinen NEUTRALEN inneren Beobachter und nehme wahr, wie es dir damit geht.

Übe* dich darin Knochen-Fragen zu stellen, damit der Verstand was zu beißen hat, statt DICH zu zerfleischen!

Schreibe einen Brief von deinem zukünftigen (80jährigem) Selbst an dich. Lasse dieses zukünftige ICH so liebevoll, weise und unterstützend mit dir sein, wie du es dir immer gewünscht hast. Stelle dir vor, all deine Herausforderungen seien zu diesem Zeitpunkt gemeistert, all deine Träume erfüllt und nun blickst du zurück auf dein junges ICH.

Das ist alles!

Liebe Grüße von Michelle

*ich mag nicht mehr ÜBEN. Das gehört zum alten Paradigma, wo wir an uns arbeiteten (und scheiterten), aber ich habe auch kein neues Wort, das uns alle abholt…

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