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Was mündige Patienten wissen sollten

Chronische Erkrankungen aus funktionalmedizinischer Sicht

Was ist der gemeinsame Nenner?  und welche Chancen offenbaren sich dadurch?

Degenerative neurologische Erkrankungen (wie MS), entzündliche Darmkrankheiten (wie Morbus Crohn) und rheumatische Erkrankungen, um nur einige Autoimmunerkrankungen zu nennen, haben alle einen gemeinsamen Nenner: Funktionsstörungen in den Mitochondrien, übermäßige Entzündungen und erhöhte Cortisolwerte. „Praktisch leiden wir alle an derselben Krankheit“, so Dr. Wahls1 (2014:66). Weiter schreibt sie:

Obwohl es von außen so aussieht, als sei MS eine bestimmte Krankheit, unterscheidet sie sich auf zellulärer Ebene nicht so sehr von anderen Autoimmunerkrankungen“.

Wenn du also im Folgenden  „MS“ liest, dann steht die Diagnose stellvertretend für jede Autoimmunerkrankung

Ich habe in diesem Beitrag die wichtigsten Sachverhalte aus rund 1000 Buchseiten zusammengefasst, sodass nun 6 bunte Bilder und 10 Seiten Text daraus geworden sind. Dabei wird es viel um Lebensstil und Ernährung gehen. Ich fühlte damals, dass die Aussage der neurologischen Abteilung, wo meine Diagnose gestellt wurde, „dass Ernährung und Lebensstil nichts an der Erkrankung ändern werden, machen Sie einfach so weiter, wie bisher“, für mich nicht stimmig war. Nun gibt es mehr und mehr Studien, die das ziemlich sichere Bild abgeben, dass MS und Autoimmunerkrankungen doch vom Lebensstil beeinflusst werden:

„MS kann nicht nur gestoppt werden, sondern verloren gegangene Fähigkeiten können zurück erlangt werden“, so Prof. Jelinek)2

Und Dr. Wahls fügt hinzu: Das Risiko der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen, Adipositas und psychischen Problemen wird bis zu 95% durch die Umwelt bestimmt“ (Wahls 2014:40)- also durch alles, was du isst, wie du dich bewegst, womit du dich wäscht und pflegst, was du denkst und was du einatmest!

Meine Kriterien für die Studienauswahl

Es gibt viele Studien, und ich habe versucht alles, was mir auf Dänisch, Deutsch und Englisch begegnete, zu lesen. Meine Kriterien für das Auswählen der Forscher waren schließlich:

  • Sie müssen seriöse, valide Studienergebnisse liefern, die von keinerlei Konzern-Interessen gefärbt sind
  • Die Forscher müssen selber von MS betroffen sein und ihre eigenen Ratschläge mit Erfolg (Besserung / Stillstand der Symptome) umsetzen

Auch ich verdiene hiermit kein Geld. Da ich, wie du weißt, keine Ärztin bin, darf ich dir keine Ratschläge erteilen, nur Erfahrenes und Gelesenes, und ich bin rechtlich dazu verpflichtet, dir mitzuteilen, dass du dich an deine Ärzte wenden musst, bevor du Änderungen an deinem Lebensstil vornimmst. Die Vorgehensweisen sind nicht als Ersatz für professionelle Behandlung bei ernsthaften Beschwerden zu verstehen.3

Wahls und Jelinek erfüllen diese Kriterien

Du hast schon die Namen Prof. Dr. G. Jelinek und Dr. Terry Wahls in diesem Text gelesen. Diese beiden stimmen derzeit mit meinen Kriterien überein. Sie verkaufen nichts, außer ihrer Bücher. Dr. Wahls hat sich selbst quasi aus dem Rollstuhl „gegessen“ und Prof. Jelinek ist seit 14 Jahren schubfrei. Ich werde mich hauptsächlich auf diese beiden beziehen, jedoch auch andere Studien heranzehen.

Im Taschenratgeber „Life-SMS: Raus aus der Opferrolle – selber handeln“ von der Deutschen Stiftung für Gesundheits-information und Prävention fand ich diesen interessanten Satz:

Bemerkenswert ist, dass die Entstehung und Verbreitung von MS eng mit der industriellen Entwicklung (…) der letzten 200 Jahren zusammenhängen. Die Häufigkeit der MS hat gerade in den letzten 30-40 Jahren signifikant zugenommen“ 4. 

Wenig Bewegung, drinne hocken, industriell gefertigtes Essen und Stress scheinen zusammen den Cocktail zu ergeben, der uns krank macht:

nicht nur der Aufenthalt auf der nördlichen Halbkugel, sondern vor allem die Lebensweise der westlichen Zivilisation (Emotionen, Stress, Nahrung, Überarbeitung, synthetische Medikamente, Antikonzeption, Chemisierung, ‘turbohektisches Leben’ u.ä.)“ sind laut der traditonellen chinesischen Medizin Schuld.Deshalb kennen die sog. primitiveren Völker diese Krankheit nicht. Dieser Behauptung spielt auch die Tatsache zu, dass die Afrika-Karibik- und Indien-Immigranten dann an dieser Krankheit in den USA gleichermaßen wie die Amerikaner leiden“ Dr. P. Hoffmann 5.

Was sind die Gemeinsamkeiten aller Autoimmunerkrankungen?

  • Die Mitochondrien sind schwach und es gibt zu viele freie Radikale, die zellschädigend wirken
  • Das hyperaktive Immunsystem sorgt für starke Entzündungen im ganzen Körper und greift körpereigene Strukturen an
  • Umweltgifte wie Blei, Quecksilber und Pestizide sind häufig nachzuweisen – diese können die Symptome verschlechtern
  • Vitamin D Mangel und ein hoher Stresshormonpegel (v.a. Cortisol) verstärken die Entzündungen
  • Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren und Antioxidanzien ist häufig zu beobachten (Wahls 2014:85)

Was schlägt die funktionelle Medizin vor?

Zur Behandlung einer Autoimmunerkrankung nach den Prinzipien der funktionellen Medizin, gehört es, das körpereigene Milieu zu optimieren, um das überaktive Immunsystem zu beruhigen. Du solltest wissen, dass es lange Zeit dauern kann, bis du deutliche Verbesserungen deiner Hauptsymptome wahrnimmst (die Nebenerkrankungen und das Allgemeinwohl können aber erstaunlich schnell Verbesserungen zeigen). Du musst wissen, dass die Lebensstil-Änderungen mit Unwohlsein verbunden sein können, weil Krankheiten all das lieben, was uns schadet und deshalb laut aufschreien, wenn wir uns dem entziehen. Ja, es ist wie ein Entzug!!! Tägliche Aufzeichnungen und monatliche Fotos helfen dir, die subtileren Veränderungen wahrzunehmen und nicht alles hinzuschmeißen.

Meine erste Info-Grafik für dich, zeigt die Organe, um die wir uns besonders gut kümmern wollen:

Gestatten, man nennt mich Mitochondrie!

Warum ist im Bild eine Mitochondrie im Vergrößerungsglas zu sehen? Weil das A und O deiner Gesundheit die Ernährung der Zelle ist. Die Krankheit, die du hast, hat ihren Ursprung in einer Fehlsteuerung der Zelle. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Wenn sie nicht da wären, wäre deine Zelle wie ein Auto ohne Benzin. Eine Autoimmunerkrankung geht fast immer mit einem Nahrungsmangel der Mitochondrien einher. Die Liste der Erkrankungen, die mit einer Störung der Mitochondrien zusammenhängen, wird täglich länger und umfasst derzeit Diabetes, Herzinsuffizienz, Hepatitis C, Fibromyalgie, Migräne, Schizophrenie, Epilepsie, affektive Störungen, Schlaganfälle und Gedächtnisprobleme (Wahls 2014:51).

Gehirn

Als nächstes kommen wir zum Gehirn, den Nervenzellen und ihrer Umkleidung (Myelin) und den Neurotransmittern. Vielleicht denkst du: „Ich habe keine Erkrankung meiner Nerven, sondern meines Darms/ Gelenke/ etc.“

Erstens: Wenn dein Immunsystem deine körpereigenen Strukturen angreift, dann wurden die gefräßigen Immunzellen durch die Blut-Hirn-Schranke fälschlicherweise eingeschleust. Also musst auch du „Gehirn-Pflege“ betreiben. Zweitens: Dein Gehirn und dein Rückenmark sind die Schaltzentrale für den ganzen Körper. Es ist für alle chronischen Erkrankungen wichtig, diese Chef-Strukturen bei Laune zu halten.

Die Leber und der Darm

gehören auch zur „Organ-Kunde“, wenn du eine chronische Autoimmunerkrankung hast. Die Leber arbeitet hart: sie leistet die Entgiftung, wenn mal wieder Entzündungsherde am Start sind (pures Gift). Und dass dein Darm Sitz deines Immunsystems sei, hast du vermutlich auch schon gehört. Ein kranker Darm ist niemals nur ein Darm-Problem, sondern betrifft den ganzen Körper (HIER habe ich alles zum Thema Darm und Mikrobiom zusammengefasst)

Wie du diese Organe plegst und nährst:

Die Wahls Ernährungspyramide

Um die Pflege und Ernährung der Organe zu gewährleisten, zeigt uns Dr. Wahls drei Stufen der Ernährungsanpassung auf. Das Dritte und Anspruchsvollste ist grafisch unten in der Ernährungspyramide vorgestellt (ketogene Paläo-Diät mit besonderem Augenmerk auf Zell-Gesundheit), denn dieses ist laut Dr. Wahls für Ungeduldige, die schnelle Ergebnisse wollen:

Das Konzept ist zusätzlich für Krebspatienten, „unheilbare“ Epileptiker, Parkinson-, Diabetes- und Migränepatienten 1 geeignet (Wahls 2014:134). Es sieht auf den ersten Blick wie bekannte Keto-oder Paläoprogramme aus: „Kranke brauchen jedoch mehr Struktur, als die üblichen ´Steinzeitprogramme´ bieten, denn es geht hier nicht einfach nur darum, die Nahrungsmittel wegzulassen, die Ihnen schaden können. Sie müssen auch wissen, wie Sie die Zellen und Mitochondrien bestmöglich ernähren“ (Wahls 2014:123).

Erste Schritte: Die schlimmsten Allergene vermeiden

Bevor du überhaupt überlegst, ob und wie du eine solche Ernährung umsetzen kannst, lasse sobald du kannst die schädlichsten Allergene und „Brandbeschleuniger“ weg:

Gluten (Getreide und Mehl) und Milchprodukte

Mache einen kalten Entzug: „Es könnte das Wichtigste sein, das  Sie je für sich tun“, schreibt Wahls7.  „Menschen mit einer Autoimmunerkrankung haben viel eher einen durchlässigen Darm, und wenn das der Fall ist, dann sind Gluten und Milchprodukte ganz besonders schädlich“ (Wahls 2014:128). Eier sind auch hoch allergen. Lasse sie dann weg, wenn du den kalten Entzug von Milch, Käse, Brot und Nudeln weggesteckt hast.

Warum reden wir hier von Entzug?

Das Wort „Entzug“ kommt nicht von ungefähr: Gluten- und Milchprodukte entfalten im Körper eine opium-artige Wirkung, also als hättest du Drogen genommen, die dich wohlig geborgen wähnen. Es wird dir also, subjektiv gesehen, zunächst einige Tage/Wochen „schlechter“ gehen ohne sie. Sie sind Futter für die Seele und für deine schreienden, bösen Darmbakterien – nicht aber für deine geschundenen Zellen!(Wessen Süchte und Gelüste sind es eigentlich, die wir als die unsere wahrnehmen?  Denke daran, dass Alkohol oft Gluten enthält.  Informiere dich auch hier, bevor du aus Unwissen Übeltäter schluckst, und studiere das Kleingedruckte anfangs penibel.

Wenn du die Allergene entsorgt hast, schaust du dir vielleicht deinen Zuckerkonsum an

Zucker läst den Blutzucker steigen und somit den Insulinspiegel. Ein hoher Insulinspiegel fördert Entzündungen im Blut und Gehirn UND verlangt blöderweise nach NOCH MEHR Süßkram und Kohlenhydraten. „Wenn du dich kohlenhydratreich ernährst und gleichzeitig mit Entzündungen zu kämpfen hast, ist es so, als würdest du Benzin ins Feuer gießen“ (Wahls: 2014:359).

Jetzt ernährst du dich bereits recht clean! Dann fällt dir der Verzicht auf diese “Feinde” leichter:

  • Künstliche Süßstoffe (Aspartam, Cyclamat u.a.) und Glutamat (E206, „Würze“, Hefeextrakt u.a.): Sie sind sog. Exzitotoxine und führen zu Stress im Gehirn und einem ungünstigen Darm-Milieu)
  • Transfette, gehärtete und teilgehärtete Öle, wie in Margarine („Je mehr Transfette im Blut waren, desto kleiner waren das Gehirn und desto geringer die Denkfähigkeit (…) Essen Sie täglich oder auch nur dreimal die Woche Fastfood, und Sie sind auf dem besten Weg in die Frühdemenz“ ( Wahls 2014:54)
  • Pflanzenöle (Mais, Soja und Raps): Das Verhältnis Omega3 zu Omega 6 sollte nicht größer sein, als 1:5 (deine bevorzugten Öle sind also kaltgepresst, möglichst aus der sog. “Schnecke”, und wurde aus Lein, Hanf oder Fisch gewonnen)

“Was kann ich denn überhaupt noch essen”

Jeden Tag sollte folgendes auf den Tisch kommen:

  • 1 Teller dunkelgrünes Blattgemüse, besonders Petersilie und Grünkohl (Vitamine A, C, K und B, Mineralien= Schutz und Nahrung der Zellen)

  • 1 Teller schwefelreiches Gemüse (Entgiftung und Bildung von Neurotransmittern, eine schiere Geheimwaffe bei degenerativen Erkrankungen, wie unsere, und zugleich Nahrung für die Mitochondrien), besonders Kohl, Zwiebeln, Pilze und Spargel

  • 1 Teller buntes (!) Gemüse und Obst (das sind deine Antioxidanzien, Flavenoide, Polyphenole und Salvestrole, die entgiftend und zellschützend wirken. Die Farbvielfalt ist ein Hinweis auf die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe, daher Durchgefärbtes bevorzugen, nicht Weißfleischiges.)

Dazu einmal die Woche Algen/ Seegras (beste Quelle für Vitalstoffe, wie Eisen, Jod, Calcium und Selen), 2mal die Woche fettreichen Meeresfisch (Omega-3), sowie 1-2mal Innereien (beste Q10 Quelle) und die restlichen Tage der Woche Fleisch aus Weidehaltung/ Wild/ Demeter-Bio. Dazu fermentierte Nahrungsmittel, wie Sauerkraut, eingeweichte Samen und Nüsse.

Und wenn du das praktizierst, dann wirst du dir vor lauter Satt-Sein die Frage nicht mehr stellen “was kann ich denn noch essen”.

 

Der Unterschied zwischen Wahls und Jelinek

Prof. Dr. Jelineks Studie, 2013 veröffentlicht, begleitete Patienten 5 Jahre lang und zeigte signifikante Ergebnisse: 19,5 % Verbesserung der Lebensqualität im Durchschnitt. Und das bei einer Erkrankung, die dafür bekannt ist, dass es nur abwärts gehen kann. Jelinek stimmt mit Wahls in den überwiegenden Punkten überein, bis auf die Fleisch-Aufnahme, überein. Beide heilen, beide haben ihre Berechtigung, folge also deiner Intuition! Wenn du Veganer/-In bist, dann entscheide dich für Jelinek. Wenn du wenig Verbesserungen deiner Symptomatik erlebst, dann wechsle zum “Wahls-Konzept”, oder umgekehrt!

Dr. Jelineks Konzept

  • Pflanzenbasierte Kost mit sehr wenig Kohlenhydraten und Zucker und absolut keine Milchprodukte!
  • Erhöhte Aufnahme von Antioxidanzien
  • Fisch und Meeresfrüchte (für Omega-3), zusätzlich Omega-3 Öl
  • Vitamin-D Ergänzung, zusätzlich zu 15 Min in der Sonne 5 x wöchentlich
  • Bewegung/ Sport 5x 30 Minuten wöchentlich
  • Meditation / Stressreduktion
  • Reduktion langkettiger gesättigter Fettsäuren (Arachidonsäure: Fleisch und Kokosnuss. Hierin unterscheidet er sich von Wahls)

Schutzfaktoren, die genau so wichtig sind, wie die Ernährung deiner Mitochondrien:

In beiden Programmen von Dr. Wahls und Prof. Jelinek, so wie in unzähligen Studien aufgezeigt, gehören diese Schutzfaktoren unbedingt zu deinem Lebensstil, wenn du eine chronische Autoimmunerkrankung hast.

Schutzfaktor Bewegung

Wie soll das denn gehen”, fragst du? Jede Bewegung tut weh, selbst das Atmen und trotzdem fordert man dich auf, dich täglich bewegen. Ja! Weil „fehlende Bewegung in die Bewegungslosigkeit führt“ (Wahls 2014:284).

Und weil Bewegung…

  • Die Zellatmung aktiviert (=mehr und stärkere Mitochondrien)
  • Fatique/ Müdigkeit verringert (Deine Müdigkeit wird nicht dadurch verringert, dass du dich schonst – im Gegenteil!)
  • Muskeln erhält und aufbaut, hingegen Insulin, Cortisol (Stress) und Leptin abbaut
  • Entzündungshemmend wirkt (schädliche Immunfunktionen werden reduziert laut Kämmerer et al. 2012:155)
  • Und weil Muskeln Herz, Gehirn (!) und Lungen auf Bewegung angewiesen sind, um überhaupt zu funktionieren und gesund zu bleiben.„Bewegung nimmt direkt Einfluss auf Gehirn und Rückenmark. Unser Gehirn ist buchstäblich auf die Wachstumsfaktoren angewiesen, die durch Bewegung hormonell im Gehirn freigesetzt werden, um die Gehirnzellen zu versorgen (Wahls 2014:285).

Und wie geht Bewegung, wenn ich bettlägerig bin?

In meinem Übungsheft „Yoga auf und mit dem Stuhl“ und auf der Website vom Verein plädiere ich für das imaginäre Üben, wenn der Körper „verhindert“ ist. Das Üben in der Vorstellung ist genauso zeitintensiv, wie das „reale Üben“ zu gestalten. Du nutzt alle Sinne: Du spürst die Anstrengung, riechst den Schweiß und merkst die Wärme, die produziert wird. Dr. Joachim Faulstich11 spricht von den Spiegelneuronen im Gehirn, die den Unterschied nicht kennen, zwischen Vorstellung und realem Tun. Imaginäres Üben wird schon lange bei Spitzensportlern eingesetzt. Und seit einigen Jahren, mit Erfolg, in der ReHa. Imagination und Tun sind für das Gehirn nicht so unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick aussieht. Das Muskelkraft-Experiment von Dr. Guang Yue und Kelly Cole zeigte, dass der Muskelzuwachs derer, die nur in der Vorstellung geübt hatten nur 8% geringer war, als bei der Kontrollgruppe, die tatsächlich trainiert hatte! 12 

Schutzfaktor “Frische Luft und Sonne”

-beinhaltet, dass du deiner Haut tatsächlich der Sonne aussetzt. Ohne Mütze und Handschuhe. 15 Minuten 5mal die Woche. Über die Bedeutung von Vitamin D bei Autoimmunerkrankungen wurde viel geschrieben. Bei Sowohl Dr. Wahls, wie auch bei Prof. Jelinek ist Vitamin D / Sonne tanken eine immens wichtige Säule.

Schutzfaktor Entspannung & Meditation

Bei fast allen mit einer Autoimmunerkrankung ist der Cortisol-Gehalt im Blut zu hoch. Cortisol ist ein Stresshormon. Es ist keine Kunst, in unserer „Zivilisation“ gestresst zu sein. Es ist auch keine Kunst, wenn man schwer krank ist, sehr gestresst zu sein. Stress wird von jeder Sorge, Grübelei und Ärger verursacht und muss aktiv von dir durch geeignete Entspannung und/oder Bewegung abgebaut werden. Dr Lissa Rankin schreibt:„Sind wir im Griff negativer Überzeugungen, nimmt das Gehirn dies als Bedrohung wahr. Wenn es nach ihm ginge, könnte uns genauso gut ein Löwe auf den Fersen sein. Kampf oder Flucht, das ist jetzt die Frage.

Stress schließt Heilung aus

 Unter der Obhut vom Parasympathikus (Entspannung) wissen die Zellen, dass sie sich auf ihre lebenssteuernde Aufgabe konzentrieren können: Hormone bilden, Toxine ausscheiden und Proteine für die Bildung neuer Zellen herstellen, Immunzellen unterstützen, Schäden reparieren und wachsen“ (Wahls 2014:356) „Die Stressreaktion setzt eine Kaskade von Veränderungen im Körper im Gang (…) die langfristig in drastischer Weise zerstörerisch wirken können“ (Wahls 2014:63). Während einer solchen Stressreaktion stellt der Körper langfristige Belange, wie Zellerneuerung, Selbstreparatur und Reduzierung von Alterserscheinungen zurück, denn er ist jetzt mit Wichtigerem beschäftigt“13 Der langfristig unsympathische Sympathikus sorgt dafür, dass alle oben genannten Aufgaben SOFORT gestoppt werden. Kommt keine Entwarnung von dir (in Form von entweder intensiver Bewegung oder aktiver Entspannung) bleibt es auch so!

Fang klein oder groß an, fang hundertmal wieder an, wenn es so sein muss, aber fang an!

Du weißt am besten, was du mit all diesen Informationen machst. Wenn ich in dir den Samen pflanzen konnte, dass du mit deinem Lebensstil einiges in der Hand hast, dann ist meine Aufgabe getan. Jetzt bist du dran. Gehörst du zu denen, die sich mit Essens-Veränderungen schwer tun, dann fange mit den Schutzfaktoren an. Starte Aktion “Vitamin D” und gehe jeden Tag ins Freie. Jetzt! Ich meine es! Gehe eine Runde um den Block, bevor du irgendwas anderes tust.

In Liebe und alles Gute,

Michelle

Fußnoten für den roten Faden

1 Dr. Terry Wahls, selber betroffen und Autorin von “Multiple Sklerose erfolgreich behandeln“ VAK 2014        https://terrywahls.com/tag/wahls-diet/

2 Prof. Dr. George Jelinek et al. „Health-related quality of life outcomes at one and five years after a residential retreat promoting lifestyle modification for people with multiple sclerosis“. Neurol Sciences 2012. Autor von „Overcoming Multiple Sclerosis“ Allen & Unwin Inc 2010     https://overcomingms.org/

3 Auch kein Doktor, aber enorm kämpferischer und aktiver Betroffener, und daher sehr lesenswert: Sven Böttcher:„Diagnose: unheilbar, Therapie: selbstbestimmt: Vom souveränen Umgang mit der Schulmedizin. Ein Erfahrungsbericht“ Ludwig Buchverlag, 2015

6 Wird in vielen weiteren Studien bestätigt, u.a.Stafstrom/Rho „Front Pharmacol“ 2012;3:59. Hervorzuheben ist diese Studie von V. Longo & M. Bock, Charité Berlin und Y. Choi et al. In „A Diet Mimicking Fasting Promotes Regeneration and Reduces Autoimmunity and Multiple Sclerosis Symptoms” (Cell Reports, May 2016) :  Fasten (7 Tage) und anschl. Ketogene Diät (6 Monate) verringern die MS-Symptome und erhöht Myelin. Fasten führt zur Kortison-Ausschüttung des Körpers und damit Beseitigung der Autoimmunzellen. Die ketogene Diät fördert die Herstellung neuer Zellen.

7 Abgepackte Nahrungsmittel haben oft in der Zutatenliste Casein, Molke, Milch, Weizen, Milcheiweiß, Hydrolysate (auch Milch) oder Gluten. Auch, wo man es nicht vermutet: In Aufschnitt, Soßen und Würzmischungen.

8  Studie über Alpha-Liponsäure bei sekundär-progredienter MS: Das Antioxidanz hat entzündungsreduzierende und neuro-protektive Wirkung und zeigt eine signifikante Reduktion von Hirn-Atrophie, verbessertes Lauftempo, Reduktion von Stürzen, Fatique und Kognition. Liponsäure ist ein wichtiger Stoff in den Mitochondrien, die im Bezug zur MS stehen. Die Substanz findet sich vor allem in Fleischprodukten wie Leber, Niere und Herz  Lipoic acid for neuroprotection in secondary progressive multiple sclerosis: results of a randomized controlled pilot trial” (Neurology Advisor 16.04.2016 ) Jahrestagung der Amerik. Gesellsch. F. Neurologie (AAN) Spain RI, Powers K, Murchison C, et al. 

9  Tipp: Kalkuliere die Kohlenhydrate unter www.naehrwerttabelle.net/naehrwerttabelle.html

10 Kämmerer, Schlätterer und Knoll: „Krebszellen lieben Zucker, Patienten brauchen Fett“ Systemed 2016   https://krebszellen-lieben-zucker-patienten-brauchen-fett.de/

11 „Das Geheimnis der Heilung“ Knaur 2010

12 Norman Doidge „The Brain that changes itself“ Penguin Books 2007:203

13 „Mind over Medicine“ Kösel Verlag 2014:68  https://lissarankin.com/free-products